Betz Artur, Historiker und Epigraphiker. Geb. Sächsisch-Regen, Siebenbürgen (Reghin, Rumänien), 14. 3. 1905; gest. Wien, 27. 12. 1985; röm.-kath., später evang. AB. Sohn des Berufsoffiziers Kajetan Johann Betz (geb. Waltendorf/Graz, Steiermark, 24. 5. 1871; gest. Wien, 25. 2. 1926) und seiner Frau Regine Berta Betz, geb. Göllner (geb. Sächsisch-Regen, 5. 1. 1873; gest. Wien, 1944); ab 1945 verheiratet mit Josefine Betz, geb. Reihons (geb. 25. 7. 1905; gest. 1988; röm.-kath.). – Betz besuchte die Volksschule in Wöllersdorf und Wien, das Gymnasium ab 1916 zunächst in Wien und Brünn, danach in Sächsisch-Regen, Bistritz und Schäßburg. Nach der Matura 1924 am Bischof-Teutsch-Gymnasium in Schäßburg studierte er klassische Philologie und Geschichte an der Universität Wien, wobei er sich besonders mit lateinischer Philologie, römischer Geschichte und Altertumskunde beschäftigte. Seine akademischen Lehrer waren v. a. →Wilhelm Kubitschek und Rudolf Egger, weiters →Edmund Hauler, Ludwig Radermacher, →Emil Reisch, →Adolf Wilhelm, →Hans Hirsch und Heinrich Ritter von Srbik. 1932 promovierte er mit der Dissertation „Das Militär in der römischen Provinz Dalmatien“ bei Egger und →Karl Patsch. Im Oktober 1932 wurde Betz Bibliothekar am Archäologisch-Epigraphischen Seminar der Universität Wien. 1933 und 1934 nahm er an Ausgrabungen im Gräberfeld von Carnuntum teil (A. Betz – Hedwig Kenner, „Ausgrabungen und Funde im Lagerfriedhof von Carnuntum“, in: Der Römische Limes in Österreich 18, 1937). Im Mai 1939 habilitierte sich Betz mit der Arbeit „Untersuchungen zur Militärgeschichte der römischen Provinz Dalmatien“ (im selben Jahr publiziert in der Reihe „Abhandlungen des Archäologisch-Epigraphischen Seminars der Universität Wien“) für das Fach Römische Geschichte und lateinische Epigraphik. Aufgrund der nach dem „Anschluss“ 1938 erlassenen Reichs-Habilitationsordnung musste er erneut um Erteilung der Lehrbefugnis ansuchen. Er wurde im Dezember 1939 zur wissenschaftlichen Hilfskraft befördert und im April des Folgejahres zum Dozenten neuer Ordnung ernannt. Die Stelle eines wissenschaftlichen Assistenten, die wie seine Verträge zuvor auf zwei Jahre befristet war, hatte er seit August 1940 inne. Im August und September 1940 war Betz zur Wehrmacht, zum Dienst bei der Luftnachrichtentruppe in Deutsch-Wagram eingerückt. Anfang 1942 wurde er neuerlich eingezogen, diesmal nach Langenlebarn, aber bereits im März 1942 zur Verwaltung nach Wien (Luftgaukommando) versetzt, wo er neben dem Militärdienst auch Arbeit im Seminar leistete. Anfang 1943 wurde Betz aus der Wehrmacht entlassen. Eine Vertretung des Lehrstuhls für Alte Geschichte in Jena 1942/43 durch Betz konnte die Universität Wien abwenden, da er einerseits in Wien unentbehrlich war und andererseits sein Gesundheitszustand – wohl infolge des Militärdiensts – labil gewesen sein dürfte. Seit dem Sommersemester 1945 supplierte Betz die Übungen an der Lehrkanzel für Römische Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik, seit 1947 auch einen Teil der Vorlesungen, da der Ordinarius Egger wegen seiner Einstufung als Altparteigenosse der NSDAP 1945 entlassen und 1947 in den Ruhestand versetzt worden war. Betz war neben Josef Keil der einzige nicht NS-belastete Wissenschaftler des Seminars. 1946 erhielt er den Titel eines ao. Universitätsprofessors, bei gleichzeitiger Erweiterung der Lehrbefugnis. 1946–48 fungierte er als Dozentenvertreter im Professorenkollegium der Philosophischen Fakultät. Im Mai 1948 schließlich wurde Betz in der Nachfolge Eggers als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Römische Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik berufen, eine Funktion, die er bis zu seiner Emeritierung 1975 innehatte. 1951 wurde er zum Mitdirektor des Archäologisch-Epigraphischen Seminars (ab 1956 Institut für Alte Geschichte, Archäologie und Epigraphik) ernannt. Betzʼ Hauptarbeitsgebiete waren die lateinische Epigraphik sowie die Verwaltung und das Militär im Römischen Reich. Er edierte und kommentierte das inschriftliche Quellenmaterial und gilt damit als ein Vertreter der von →Otto Hirschfeld und →Eugen Bormann begründeten Wiener epigraphischen Schule. Bedeutender als sein wissenschaftliches Werk war sein Wirken als akademischer Lehrer für Studierende der Alten Geschichte, klassischen Archäologie und klassischen Philologie. An der Universität Wien setzte besonders Ekkehard Weber die Forschung und Lehre in der Tradition der Wiener Schule der Altertumswissenschaft fort. Für das Archäologisch-Epigraphische Seminar war Betz nicht zuletzt auch durch seine enge Beziehung zum Südosten – besonders zum Raum Siebenbürgen – und durch seine Sprachkenntnisse (Ungarisch und Rumänisch) ein wichtiger Mitarbeiter. Betz war ab Mai 1940 korrespondierendes Mitglied des Deutschen sowie ab 1948 wirkliches Mitglied des Österreichischen Archäologischen Instituts. Er gehörte weiters ab Mai 1960 als korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an, trat jedoch wegen Verzögerungen und Unstimmigkeiten bei der Herausgabe des Supplementum zum Corpus inscriptionum Latinarum III im November 1977 aus der Akademie aus und legte sämtliche Funktionen innerhalb der einzelnen Kommissionen zurück. Betz fungierte auch als Direktor der Lehramtsprüfungskommission der Universität Wien. Er erhielt 1972 das Goldene Ehrenzeichen der Universität Wien sowie 1980 die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold.

) 