Birkmeyer (Birkmayer) Anton Heinrich (Toni), Tänzer, Ballettmeister, Choreograf und Pädagoge. Geb. Wien, 25. 4. 1897; gest. Wien, 30. 8. 1973; röm.-kath. Sohn des Tanzlehrers Hermann Birkmeyer, Vater von Michael Birkmeyer, 1960–87 Mitglied des Wiener Staatsopernballetts, ab 1967 als Solotänzer, ab 1972 als Erster Solotänzer, 1985–2001 Direktor der Ballettschule der Österreichischen Bundestheater bzw. der Ballettschule der Wiener Staatsoper, 2001–09 Intendant des Festspielhauses St. Pölten; in 1. Ehe mit Jolanthe Birkmeyer (geb. Budapest, Ungarn, 23. 2. 1896; gest. KZ Auschwitz, Deutsches Reich / Polen, 2. 1. 1943), in 2. Ehe mit Liselotte Birkmeyer, geb. Lefford (geb. Wien, 23. 6. 1914; gest. Wien, 30. 8. 1978), verheiratet. – Birkmeyer entstammte einer Wiener Tänzerdynastie, die bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Er trat 1907 in die Ballettschule der Hofoper ein, wo er von Josef Zulka, Carl Raimund sen. und →Josef Hassreiter ausgebildet wurde. 1912–54 Mitglied des Balletts der Hof- bzw. Staatsoper, avancierte er 1921 zum Solotänzer und 1938 zum Ersten Solotänzer, zudem war er 1931–33 Ballettmeister sowie Vorstand und Lehrer der Ballettschule (in der Zeit des Nationalsozialismus war er 1940–41 wegen „Verbrechens nach der Rundfunkordnung“ – er hörte ausländische Sender – inhaftiert, während seine Frau nach Auschwitz deportiert wurde). Die wichtigsten Rollen, die Birkmeyer als Danseur noble im Ballett der Wiener Staatsoper kreierte, waren – alle in Choreografien von Heinrich Kröller – Joseph in „Josephs Legende“ (Musik: →Richard Strauss) alternierend mit Willy Fränzl, Prinz Carnaval in „Carnaval“ (Musik: Robert Schumann), eine Hauptpartie in „Gesellschafts- und Theatertänze im Stile Ludwig XV.“ (Musik: Franҫois Couperin, Strauss), Don Zuckero und Ladislaw Slivowitz in „Schlagobers“ (Musik: Strauss) sowie die Titelrolle in „Pulcinella“ (Musik: Igor Strawinski). Zu seinen Charakterpartien zählte Coppélius in Erika Hankas „Coppélia“ (Musik: Léo Delibes). Während seiner Tätigkeit als Ballettmeister brachte Birkmeyer 1932 ein „Haydn-Ballett“ zur Aufführung und schuf Choreografien für die Uraufführung von Egon Wellesz’ „Die Bakchantinnen“ (1931) sowie neun weitere Opern und Operetten. Für das Burgtheater gestaltete er 1932 die Choreografie zu Johann Wolfgang von Goethes „Der Triumph der Empfindsamkeit“ (Musik: Ernst Krenek). Als Partner von Grete Wiesenthal absolvierte er 1919–38 unabhängig von der Wiener Staatsoper Tanzabende u. a. in Wien, Budapest, Paris, Stockholm, Prag, Sofia und bei den Salzburger Festspielen, mit der Tanzgruppe Grete Wiesenthal trat er u. a. bei den Bregenzer Festspielen auf. Weitere Tanzabende gab er gemeinsam mit Hedy Pfundmayr (in Wien), Tilly Losch (in Wien und Paris) und Lo Hesse (in Buenos Aires und Rio de Janeiro). Dazu kamen 1929–30 in London und New York Auftritte in Charles B. Cochrans Revue „Wake Up and Dream!“ (Musik: Cole Porter), in der er u. a. mit Losch in einer Choreografie von George Balanchine tanzte. Mit seinem eigenen Toni-Birkmeyer-Ballett unternahm er 1932–38 Gastspiele u. a. in Berlin, London, Kopenhagen, Brüssel, Paris und New York. Am Londoner Prince Edward Theatre choreografierte er 1933 für eine Josephine-Baker-Revue für sich und sein Ensemble „The Triumph of the Waltz“ (Musik: →Johann Strauß Vater und Sohn, →Josef Lanner, →Franz Schubert). 1927 gründete Birkmeyer gemeinsam mit Wiesenthal eine Privatlehranstalt für Künstlerischen Tanz, ab 1932 führte er allein eine private Tanzschule in Wien. Zudem unterrichtete er 1945–63 Klassisches Ballett an der Tanzabteilung der Akademie für Musik und darstellende Kunst, 1951/52 fungierte er als Abteilungsvorstand. Birkmeyer war eine herausragende Erscheinung der Kunstszene Wiens, die er dadurch zu bereichern wusste, dass er die aktuelle Körpersprache der Wiener Tanzmoderne – insbesondere die unverwechselbare Tanzweise Grete Wiesenthals – in seinen klassischen Stil einfließen ließ und so ein vorbildgebendes Image der Walzerchoreografie pflegte. Sein nobles Künstlertum wie seine urbane Eleganz offenbarten sich auch in fotografischen Aufnahmen, insbesondere in Werken von Trude Fleischmann. Er wurde 1956 mit dem Professorentitel und 1962 mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

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