Brand-Krieghammer, Olga (Maria Olga Theresia) Freifrau; geb. Freiin von Krieghammer (1867–1949), Malerin und Wohltäterin

Brand-Krieghammer Olga (Maria Olga Theresia) Freifrau, geb. Freiin von Krieghammer, Malerin und Wohltäterin. Geb. Wien, 27. 7. 1867; gest. Olomouc, Tschechoslowakei (Tschechien), 24. 2. 1949 (begraben: Bošany, Slowakei); röm.-kath. Tochter von →Edmund Freiherr von Krieghammer und Adele Freifrau von Krieghammer, verwitwete Grognet d’Orleans, geb. von Haupt (geb. 1838; gest. Bošany, Tschechoslowakei/Slowakei, 1925), Tochter eines Fabriksbesitzers aus Brünn, Schwester des Oberstleutnants Curt Freiherr von Krieghammer; ab 1898 mit dem Offizier August Brand verheiratet. – Brand-Krieghammer wuchs auf Schloss Straußenegg nahe Cilli auf, das ihrem Onkel mütterlicherseits gehörte. Nach privatem Malunterricht bei →Carl Moll 1893–97 und dem Besuch der Kunstschule für Frauen und Mädchen in Wien 1897 studierte sie wiederholt in Paris (1902, 1904 Blumenmalerei bei Ernest Quost, 1906). 1904 stellte sie im Pariser Salon aus. Zusammen mit →Helene Freiin von Krauß und →Louise Fraenkel-Hahn gründete Brand-Krieghammer 1910 in Wien die Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ), der sie sechs Jahre als Präsidentin, danach bis 1921 als Ehrenpräsidentin vorstand. Diese Vereinigung war die erste Kunst- und Fachorganisation in Österreich(-Ungarn), die bildende Künstlerinnen vertrat und ihnen ermöglichte, ihre Werke (auch im Ausland) unbeschränkt auszustellen und zu denselben Bedingungen wie Männer zu verkaufen. Bis dahin waren Frauen aus den bestehenden Kunstverbänden praktisch ausgeschlossen und konnten ihre Arbeiten mit Einschränkungen nur im Rahmen des Hagenbunds zeigen. Zusammen mit den Mitbegründerinnen der VBKÖ organisierte Brand-Krieghammer die bedeutende Ausstellung Kunst der Frau, die von November 1910 bis Jänner 1911 im Gebäude der Wiener Secession stattfand und erstmals Werke von bildenden Künstlerinnen aus mehreren Jahrhunderten vorstellte. Sie selbst zeigte dort ihre Ölgemälde „Azaleenhaus“, „Verwilderter Garten“ und „Blasse Rosen“ (1910, Österreichische Galerie Belvedere, Wien). Dank ihrer vorzüglichen Beziehungen zum Hochadel und zum Unterrichtsministerium war die Ausstellung von großem Erfolg gekrönt und wurde von rund 12.000 Menschen besucht. 1913 vertrat Brand-Krieghammer österreichische Künstlerinnen in der großen internationalen Ausstellung der Frauenkunst in Turin und berichtete darüber. Sie selbst nahm bis 1930 an fast allen Ausstellungen der VBKÖ teil, bis 1916 war sie als Arbeitsausschuss-, Hängekommissions- und Jury-Mitglied der VBKÖ tätig. Ihr künstlerisches Werk umfasst Ölgemälde, Pastelle, Tempera- und Gouachebilder. Bis 1913 wohnte Brand-Krieghammer in Wien-Josefstadt, dann bis 1938 im barock-klassizistischen Schloss in Nagy Bossány bzw. (Veľké) Bošany. Neben der Malerei widmete sie sich besonders in Bošany der Wohltätigkeit und der Naturheilkunde, was ihr dort große Beliebtheit einbrachte. Von 1938 an wohnte Brand-Krieghammer, die neben anderen Sprachen auch Slowakisch beherrschte, im Haus Zum Goldenen Lämmchen der Familie Haupt-Stummer in Tovarníky. Nach dem 2. Weltkrieg behielt sie ihre tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Die letzten drei Monate ihres Lebens verbrachte sie in einem Olmützer Pflegeheim, wo sie starb. Posthum war Brand-Krieghammer 2019 in der Ausstellung Stadt der Frauen im Unteren Belvedere in Wien vertreten.

Weitere W.: Gelbe Astern in Herbstlandschaft, 1904; Weiße Azaleen, 1909; Pfarrgarten in Waidhofen, 1912; Frühling in der Villa Borghese, 1912; Ein Paradies, 1916; Stillleben, 1917; Glockenblumen, 1917; Sommerblumen, 1919; Piaza de Siena (sic!); Prunkstillleben; Die Haupt-Grabpyramide von Gomilsko; Die alte Brücke von Bošany; Alpenlandschaft; Spielende Kinder; Slowakisches Mädchen im Garten.
L.: Neues Wiener Journal, 17. 2. 1921; AKL; Wiener Salonblatt 29, 1898, Nr. 41, S. 6; Der Bund. Zentralblatt des Bundes österreichischer Frauenvereine 5, 1910, Nr. 4, S. 19, 7, 1912, Nr. 10, S. 9; Österreichische Frauen-Rundschau 8, 1910, Nr. 80, S. 2ff.; XXXVII. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession. Wien. I. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstlerinnen Oesterreichs, Wien 1910, passim (Kat.); Österreichs Illustrierte Zeitung 22, 1913, S. 847, 25, 1916, S. 638f.; Sport & Salon 20, 1916, Nr. 17, S. 9ff. (mit Bild); A Nemzeti Szalon kiállításainak katalógusai 1912–1914. A Magyar Képzőművésznők Egyesülete ötödik rendes tárlatának ... katalógusa, 1913 május-junius, S. 16; Kunst des 19. Jahrhunderts 1, bearb. E. Hülmbauer, 1992; S. Haupt-Buchenrode, My Memories, 2012, passim; M. Brandow-Faller, An art of their own: reinventing „Frauenkunst“ in the female academies and artist leagues of late-imperial and first republic Austria, 1900–1930, 2012, S. 293; biografiA. Lexikon österreichischer Frauen 1, 2016; J. Judinyová, in: Literárny týždenník, 2024, H. 5–6, S. 8f. (mit Bild); Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ); Pfarre St. Johann Nepomuk, Wien; Štátny archív v Nitre – pracovisko Archív Topoľčany, Slowakei / Fonds: Okresný úrad v Topoľčanoch 1923–45–1951, MNV Tovarníky, ADM-Spisy 1945–1946; Meldeformular, Fonds: Jednotný národní výbor Olomouc – Bezirks-Polizeidirektion (NAD 45, M 2–12, Polizeianmeldungen 1900–1951), Státní okresní archív Olomouc, Tschechien.
(Jana Judinyová)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)