Brandenstein Wilhelm (Karl), Sprachwissenschaftler und Alpinist. Geb. Salzburg (Salzburg), 23. 10. 1898; gest. Graz (Steiermark), 1. 12. 1967; röm.-kath. Urenkel der Zollbeamtentochter Marie Freiin von Brandenstein, Enkel des (unehelich geborenen) Lehrers an der Ackerbauschule in Feldsberg Wilhelm Brandenstein (geb. Salzburg, 2. 2. 1850), Sohn des städtischen Kanzleibeamten Wilhelm Karl Brandenstein (geb. Feldsberg, Niederösterreich / Valtice, Tschechien, 19. 9. 1876) und dessen Frau Maria Brandenstein, geb. Markl (geb. 2. 2. 1878); verheiratet mit Dr. phil. Henriette Brandenstein, geb. Hurych, die die Leidenschaft Brandensteins für den Alpinismus teilte. – Brandenstein besuchte das Akademische Gymnasium in Salzburg und studierte nach seinem Kriegsdienst (1915–18) an der Universität Innsbruck klassische Philologie und indogermanische Sprachwissenschaft. Zu seinen Lehrern zählten →Ernst Kalinka und →Julius Jüthner sowie →Alois Walde und →Johann Reichelt; außerdem besuchte Brandenstein Vorlesungen in Orientalistik und Alter Geschichte. 1921 legte er die Lehramtsprüfung für Turnen ab und übernahm zuerst eine Lehrerstelle in Salzburg. 1923 wurde er auf eigenen Wunsch nach Wien versetzt, wo er seine sprachwissenschaftlichen und philosophischen Studien fortsetzen konnte und 1925 eine Dissertation mit dem Thema „Die Bedeutung der Nebensatzsyntaxe“ einreichte. Zu seinen Lehrern in Wien zählten Paul Kretschmer, →Nikolaj Sergeevič Fürst Trubetzkoy, Karl Bühler und →Moritz Schlick. Obwohl Brandenstein ab 1926 in Wien auch als Lehrer arbeitete, war er immer wissenschaftlich tätig: Er beschäftigte sich mit den indogermanischen Sprachen Kleinasiens, v. a. mit dem Lydischen und dem Altpersischen, aber auch mit der nichtindogermanischen Sprache Etruskisch, und verfasste seine ersten namenkundlichen Arbeiten. Unterstützt und gefördert wurde Brandenstein dabei vom Schweizer Indogermanisten Albert Debrunner sowie vom Orientalisten Viktor Christian. 1937 habilitierte sich Brandenstein in Graz bei Reichelt für Indogermanische Sprachwissenschaft („Die erste ‚indogermanischeʻ Wanderung“, publiziert 1936) und wurde im Juli 1937 zum Dozenten ernannt. In Graz übernahm er 1939 provisorisch die Leitung des Indogermanischen Instituts und ab dem Sommersemester 1941 die Vertretung des vakanten Lehrstuhls für Vergleichende Sprachwissenschaft. 1941 wurde Brandenstein zum ao. Professor und offiziell zum Direktor des Indogermanischen Instituts ernannt; 1940‒43 leistete er Kriegsdienst. In der unmittelbaren Nachkriegszeit leitete Brandenstein eine Kommission zur Überprüfung der Grazer Professorenschaft auf ihre NS-Belastung („Brandenstein-Kommission“). Im Februar 1950 erhielt er den Titel o. Professor, im Jänner 1952 wurde er schließlich zum Ordinarius ernannt. Trotz einer schweren Erkrankung 1954 mit halbseitiger Lähmung setzte er seine Lehre und wissenschaftlichen Tätigkeiten bis zu seinem Tod fort. Davon zeugen sowohl seine reichhaltige Publikationsliste als auch die von ihm herausgegebene Reihe „Arbeiten aus dem Institut für (Allgemeine und) Vergleichende Sprachwissenschaft“ (8 Bände 1948–68). Brandenstein erhielt 1935 einen Ruf an die neugegründete Universität Ankara auf den Lehrstuhl für Etruskologie sowie 1943 nach Straßburg bzw. Erlangen, die er alle ablehnte. Zu seinen wissenschaftlichen Arbeitsgebieten zählten Sprachphilosophie, Syntax, die lydische Sprache, die Sprache der Pisider in Kleinasien, kleinasiatische einheimische Alphabete sowie Ortsnamen. Neben zahlreichen Beiträgen für „Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft“ (Pauly-Wissowa) verfasste er Publikationen zum Etruskischen, Altpersischen oder zu Atlantis. Darüber hinaus widmete er sich in seinen Arbeiten der indogermanischen Altertumskunde sowie Fragen zur Urheimat der Indogermanen. Brandenstein betreute mehrere Dissertationen und Habilitationen, etwa auch jene des Indogermanisten Manfred Mayrhofer (Dissertation und Habilitation) oder die Habilitation des Indogermanisten und Hethitologen Heinz Kronasser. Als Wissenschaftler zeichnete sich Brandenstein durch seine Arbeitskraft und Selbstdisziplin aus, er genoss hohes Ansehen an der Fakultät, war für seine Hilfsbereitschaft bekannt und ein begeisterter Lehrer. Aufgrund seiner Passion für den Bergsport beschäftigte sich Brandenstein schon früh auch mit Berg- und Flurnamen und veröffentlichte einschlägige Aufsätze in alpinistischen Zeitschriften. Er war Mitglied des Österreichischen Alpenklubs und unternahm einige Erstbegehungen (Ringwulst am Campanile di Val Montanaia, 1926–27; mehrere Erstersteigungen in der Granatspitzgruppe gemeinsam mit →Rudolf Schwarzgruber; Zweitbegehung der Gran-Paradiso-Nord-West-Wand, August 1931). Brandenstein gehörte ab 1946 der Historischen Landeskommission für Steiermark und ab 1952 dem Istituto di Studi Etruschi ed Italici (Firenze) als membro straniero an. Ab 1953 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender der Indogermanischen Gesellschaft. 1965 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Österreichische Akademie der Wissenschaften gewählt. Er erhielt 1964 die Medaille der Katholischen Universität Löwen und 1966 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

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