Braunstorfer, Karl (Heinrich) (1895–1978), Abt

Braunstorfer Karl (Heinrich) OCist, Abt. Geb. Katzelsdorf an der Leitha (Niederösterreich), 3. 5. 1895; gest. Stift Heiligenkreuz (Niederösterreich), 20. 9. 1978; röm.-kath. Sohn des Bauern Johann Braunstorfer (1835–1910) und dessen Frau Maria Braunstorfer, geb. Kruckner (1849–1918). – Braunstorfer besuchte das Gymnasium in Wiener Neustadt und gehörte dort einer von Patres des Neuklosters, eines Priorats des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz, betreuten Marianischen Kongregation an. Ebenso erteilten Zisterzienser den Religionsunterricht in Braunstorfers Gymnasium. Wenige Monate nach seiner Matura trat er 1914 in das Heiligenkreuzer Noviziat ein und studierte an dem seit 1802 bestehenden stiftseigenen Institutum Theologicum. Seine Priesterweihe fand im Februar 1919 durch Weihbischof →Josef Pfluger statt. In seinem ersten Priesterjahr wurde er zum Novizenmeister von Heiligenkreuz bestellt; er übte dieses Amt 20 Jahre lang aus. 1933 wurde er zusätzlich Prior und Pfarrer von Heiligenkreuz. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg, der den Heiligenkreuzer Konvent personell stark betroffen hatte, wählte man Braunstorfer im August 1945 zum Abt, im selben Jahr wurde er Abtpräses der Österreichischen Zisterzienserkongregation. In beiden Ämtern wirkte er bis 1969. Als Klostervorsteher setzte Braunstorfer einen dezidierten Schwerpunkt auf die Vertiefung des monastischen Lebens in Heiligenkreuz, das wie die meisten niederösterreichischen Stifte eine verhältnismäßig hohe Anzahl an inkorporierten Pfarren zu betreuen hatte. Wenige Patres hielten sich für längere Zeit im Kloster auf. Als Mittel zur stärkeren Profilierung des Zisterziensererbes reduzierte Braunstorfer deshalb die Pfarrersstellen, vermehrte die Gebetszeiten, förderte den Gregorianischen Choral, führte Laienbrüder und Chormönche in den Konvent ein, verdeutlichte die Abgrenzung der Klausur gegenüber der Außenwelt und verringerte die Anzahl der klösterlichen Angestellten. Sein Ideal war dabei von der Beuroner Benediktinerkongregation beeinflusst. Der Wunsch nach klösterlicher Erneuerung verband ihn mit den zisterziensischen Generaläbten Matthäus Quatember und Sighard Kleiner, sodass Heiligenkreuz im Braunstorfer Abbatiat eine Vorbildfunktion übernehmen sollte. In diesem Zusammenhang sollte die Priesterausbildung für alle Zisterzienser Österreichs in Heiligenkreuz stattfinden. Wegen mangelnder Eintritte in Heiligenkreuz und den anderen Klöstern blieb die Anzahl der in Heiligenkreuz Studierenden in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil jedoch gering (etwa 15). Selbst bestens mit der Arbeit des Pfarrers vertraut, war Braunstorfer diese gewachsene Aufgabe unter österreichischen Mönchen selbstverständlich. Seine Wunschvorstellung vom Kloster schloss eine begrenzte Anzahl von Pfarren und auch weitere Apostolate ein: Geistliche Exerzitien, Oblatenbetreuung, ja sogar die Stiftsökonomie und das soziale Engagement waren nach seinen Aussagen wichtige Bereiche der Seelsorge. Das Amt des zisterziensischen Abtpräses musste Braunstorfer während einer Krise antreten. Die anderen Klöster der Kongregation (Rein, Lilienfeld, Schlierbach, Wilhering, Zwettl) hatten hohe Kriegsverluste unter den Konventmitgliedern und an Besitzungen erlitten und befanden sich in einer lebensbedrohlichen Notlage. Einige waren im Dritten Reich aufgehoben worden und rangen mit den Schwierigkeiten der Restitution. Fürsterzbischof Andreas Rohracher (Salzburg) erhielt den Auftrag zur Apostolischen Visitation aller Klöster in Österreich; Abt Braunstorfer visitierte die Zisterzienser. In seiner Funktion als Abtpräses war Braunstorfer auch eine Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil möglich. Vier Jahre nach Konzilsabschluss trat er als Abt zurück und widmete sich der Erarbeitung eines neuen (lateinischen) Zisterzienserbreviers nach den Richtlinien der Liturgiereform; es wurde 1979 veröffentlicht. Seine ausführliche und gewissenhafte Korrespondenz mit der Ordensleitung, vielen Bischöfen und den Äbten zahlreicher Klöster belegt Braunstorfers Einfluss als Ratgeber und geistlicher Vater. Seine verinnerlichte und demütige Art weckte Sympathie und Bewunderung unter vielen Zeitgenossen. Braunstorfer erhielt 1965 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Auf Bitten des Heiligenkreuzer Abtes Gregor Henckel-Donnersmarck wurde 2008 ein Seligsprechungsverfahren eröffnet.

L.: Bautz; A. V. Schachenmayr, Karl Braunstorfer (1895–1978). Abt von Heiligenkreuz und Abtpräses der Österreichischen Cistercienserkongregation, 2005; Gedächtnis des Landes. Personen (online, mit Bild, Zugriff 20. 6. 2023); Pfarre Katzelsdorf an der Leitha, Stiftsarchiv Heiligenkreuz, beide Niederösterreich.
(Alkuin Schachenmayr)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)