Brellinger (Prellinger), Leopold (1893–1967), Missionar

Brellinger (Prellinger) Leopold SJ, Missionar. Geb. Ebelsberg (Oberösterreich), 27. 7. 1893; gest. Taoyuan (Republik China), 18. 9. 1967 (begraben: Friedhof des Noviziatshauses der Jesuiten, Changhua, Republik China); röm.-kath. Sohn des Bahnwärters Michael Brellinger (geb. Pregarten, Oberösterreich, 21. 9. 1843; gest. Ebelsberg, 3. 2. 1902) und dessen Frau Anna Brellinger, geb. Hochreiter (geb. Wintersdorf, Oberösterreich, 17. 2. 1866; gest. Ebelsberg, 11. 5. 1905). – Nach dem Tod der Eltern kamen Brellinger und seine drei Geschwister zu Pflegefamilien. Brellinger maturierte – dank der Pflegeeltern (eines Apothekerpaars) und des Seraphischen Liebeswerks (dem er lebenslang verbunden blieb) – 1913 am Kollegium Petrinum in Linz und trat anschließend in Lainz in das Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. 1915–16 unterbrach er seine Ausbildung für die Pflege von Soldaten im Innsbrucker Garnisonsspital Nr. 10 (Bronzene Ehrenmedaille des Roten Kreuzes 1915), war 1916–18 Präfekt im Jesuitengymnasium in Kalksburg und begann 1918 ein Philosophie- sowie 1920 ein Theologiestudium in Wien, das er 1922–24 an der von den Jesuiten geführten Georgetown University in Washington D.C. fortsetzte und abschloss. Im Juni 1923 empfing er in Washington von Erzbischof Michael Curley (Baltimore) die Priesterweihe. Das Terziat absolvierte er 1924–25 in Poughkeepsie (New York) mit dem Wunsch, in China Missionar zu werden. Am Ostersonntag 1926 reiste Brellinger mit P. Alfons Duschek SJ, vormals Rektor des Aloisianums in Linz, im Gefolge des Apostolischen Vikars von Xianxian, Bischof Henri Lécroart SJ, der in Europa um Priester für die Mission geworben hatte, nach China ab. Die österreichische Jesuitenprovinz sollte von den französischen Mitbrüdern einen Teil der Mission von Xianxian übernehmen, den sie 1924 zugewiesen erhalten hatte. An der Hochschule der französischen Jesuiten in Tianjin erlernte Brellinger die chinesische Sprache und wurde 1927 Studienpräfekt. In Tianjin legte er im August 1929 auch die Letzten Ordensgelübde ab. Weil der Rektor und Brellinger die Unterrichtssprache an der Hochschule eigenmächtig von Französisch auf Englisch umgestellt hatten, wurden beide 1930 abberufen. Brellinger begann die Missionsarbeit in den Bezirken Qichun und Hsinho, wurde 1934 Dekan in Chenzhou, 1935 Missionsoberer in Nangong für den erkrankten P. Duschek und fungierte 1936–39 als Rektor des Jesuitenscholastikats in Xujiahui/Shanghai. Im April 1939 wurde das Missionsgebiet Xianxian – wie geplant – geteilt, der südliche Teil mit 2,5 Mio. Einwohnern (davon rund 30.000 Katholiken) zur Apostolischen Präfektur Jingxian erhoben und Brellinger im Folgemonat zum ersten Präfekten und Missionsoberen ernannt. Das Gebiet litt unter dem japanisch-chinesischen Krieg (1937–45), der Agitation durch die Kommunisten sowie unter extremen Witterungseinflüssen. Die aus Überschwemmungen und Dürrekatastrophen resultierende Hungersnot versuchte Brellinger mit Getreidelieferungen amerikanischer protestantischer Hilfswerke zu lindern. Er baute die Missionsstation in Jingxian aus, errichtete ein Kleinseminar, eine Schule für Missionshelferinnen und 1940 ein Priesterseminar für 80 Alumnen. Unterstützung für deren Unterhalt erhielt er aus der Heimat. Nach der Kapitulation Japans 1945 nahmen mit der Besetzung durch die Kommunisten die Feindseligkeiten gegen Christen zu. Mit der „Errichtung der kirchlichen Hierarchie in China“ im Dezember 1946 erhob Papst Pius XII. alle Missionssprengel zu selbstständigen Diözesen. Brellinger wurde im Jänner des Folgejahres zum Bischof der neu errichteten Diözese Jingxian ernannt. Der japanisch-chinesische Konflikt und der Bürgerkrieg 1945–47 brachten für das Missionswerk schwere Rückschläge. Im Jänner 1947 fiel die Station der Eroberung durch die Kommunisten zum Opfer, die Missionare wurden vor ein Volksgericht gestellt, der Besitz beschlagnahmt. Die Seminaristen konnten nach Tianjin fliehen, auch die Missionare durften Jingxian verlassen, nur Brellinger und zwei andere blieben. Zur Bischofsweihe im April 1947 durch Bischof Francis X. Zhao Zhen-sheng SJ (Diözese Shienshien) in Peking verließ Brellinger sein Missionsgebiet, in das er danach aufgrund der politischen Umstände nicht mehr zurückkehren konnte. Nach kurzem Aufenthalt in den USA kam er im April 1948 vorübergehend nach Österreich; hier übernahm er bischöfliche Funktionen für den erkrankten Linzer Bischof →Joseph Calasanz Fließer (Spendung der Priesterweihe Ende Juni 1948, Abtweihe von Wilhelm Ratzenböck in Wilhering im August). Nach der Rückkehr nach China lebte Brellinger sechs Jahre zurückgezogen in Xianxian. Im Juli 1954 von den Kommunisten aus China ausgewiesen, fand er Zuflucht auf den Philippinen. Im Folgejahr nahm er in Rom an der Seligsprechung von 59 Märtyrern teil, die zum Teil auf dem Territorium der Diözese Jingxian umgekommen waren. 1957 konnte er acht Neupriester aus seinem Seminar von Jingxian im Exil in Manila weihen. 1961 übersiedelte Brellinger nach Taipeh (Taiwan) zu seinen chinesischen Weltpriestern, die hier eine Pfarre übernahmen. Krankheitsbedingt konnte er am Zweiten Vatikanischen Konzil erst ab der 2. Session teilnehmen.

W.: Das katholische Schulwesen in China, in: Die Katholischen Missionen. Illustrierte Monatsschrift des Vereins der Glaubensverbreitung in den Ländern deutscher Zunge … 56, 1928, H. 3.
L.: F. Platzer, in: Jahrbuch 1969 für die Katholiken des Bistums Linz, 1968, S. 141ff.; A. Zehetner, in: Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 8, 1993–94, 1994, S. 155ff.; Mission und kirchliche Entwicklungszusammenarbeit aus Oberösterreich, ed. M. Würthinger, 2016, S. 103ff.; D. Strong, A Call to Mission – A History of the Jesuits in China 1842–1954, 2, 2018, s. Reg.; Lentia–Verlag. Zeitreisen. Persönlichkeiten (online, mit Bildern, Zugriff 2. 2. 2024); Zentraleuropäische Provinz der Gesellschaft Jesu, Regionalarchiv Wien / Personalakt Leopold Brellinger (R 35); Diözesanarchiv Linz / Personalakt Brellinger (DAL, Pers.-A/3, B/93); Jesuitenkolleg Innsbruck / Provinzkatalog; Pfarre Linz-Ebelsberg, Oberösterreich.
(Monika Würthinger)   
Zuletzt aktualisiert: 15.7.2024  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 12 (15.07.2024)