Buschbeck Ernst Heinrich (Alfred Hermann), Kunsthistoriker und Museumsdirektor. Geb. Wien, 7. 1. 1889; gest. an der Boca do Inferno (Portugal), 13. 5. 1963 (ertrunken; begraben: Lisboa, Portugal); evang. AB. Sohn des Privatiers Alfred Hermann James Buschbeck (geb. Prag, Böhmen / Praha, Tschechien, 30. 5. 1857; gest. 1936; evang. AB) und dessen Frau Helene Therese Rosa Buschbeck, geb. Marbach (geb. Prag, 1858; gest. 1937; röm.-kath.); 1916–31 (Scheidung) verheiratet mit Johanna Buschbeck, geb. Zimmermann (geb. 1889), ab 1947 in 2. Ehe mit Katharina (Käthe) Buschbeck, geb. Bruml (geb. 7. 11. 1896; gest. 26. 10. 1973). – Buschbeck stammte aus einer altösterreichischen Offiziersfamilie, die ihre Herkunft auf den flandrischen Diplomaten und Schriftsteller des 16. Jahrhunderts Ghislain de Busbecq zurückführte, der als Gesandter Kaiser Ferdinands I. aus Konstantinopel nicht nur die Tulpe und den Flieder, sondern auch bedeutende griechische Handschriften nach Österreich gebracht hatte. Buschbecks Eltern ließen von →Otto Wagner ein prächtiges Stadtwohnhaus im Wiener Rathausviertel errichten und ermöglichten ihrem Sohn eine hervorragende Ausbildung und Erziehung. Er maturierte 1907 am Schottengymnasium und begann 1908 ein Studium der Philosophie und Rechtswissenschaften in Lausanne und Wien, wandte sich später jedoch dem Studium der Geschichte und Kunstgeschichte in Berlin, Halle und Wien zu. Er wurde 1913 an der Universität Wien bei →Max Dvořák mit einer Dissertation über die französische und spanische Skulptur des 12. Jahrhunderts promoviert. 1911–13 absolvierte er den Lehrgang des Instituts für österreichische Geschichtsforschung in Wien. Ab Februar 1914 Volontär an den Kunstsammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, rückte Buschbeck im August 1914 als Leutnant der Reserve beim Dragonerregiment Nr. 5 ein. Er nahm als Kavallerieoffizier 1914–18 am 1. Weltkrieg teil und wurde bereits im September 1914 zum Oberleutnant befördert. Dreimal militärisch ausgezeichnet, rüstete er als Rittmeister der Reserve Ende 1918 ab. Ab April 1919 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien und wurde Ende 1920 in die Musealabteilung des Bundesministeriums für Unterricht berufen. Er war mit der Abwicklung der Museumsbestände im Rahmen der Auflösung der Donaumonarchie befasst und verteidigte erfolgreich die Besitzansprüche der Republik Österreich in der Nachfolge Österreich-Ungarns gegen ausländische Forderungen. 1923 kehrte er als Kustos-Adjunkt in das KHM zurück, stieg in den Folgejahren kontinuierlich in der Beamtenhierarchie auf und wurde 1937 Kustos I. Klasse. Er arbeitete daneben in der Erwachsenenbildung in Wien und schrieb Kunstkritiken für das „Neue Wiener Tagblatt“. Bereits 1923 ernannte man ihn zum Kommissär für die Innenräume der ehemals kaiserlichen Schlösser. 1928/29 war er als Delegierter dem Institut internationale de Coopération Intellectuelle in Paris zugewiesen. Buschbeck arrangierte sich nach 1934 mit dem Austrofaschismus und stand in Opposition zu den Nationalsozialisten. Die große Ausstellung österreichischer Kunst im Jeu de Paume in Paris 1937 war seine letzte große Leistung vor dem 2. Weltkrieg. Von einer Dienstreise nach England kehrte Buschbeck im Juni 1939 nicht mehr nach Österreich zurück. Er suchte um Pensionierung an, wurde aber umgehend entlassen und schloss sich daraufhin dem Free Austrian Movement und anderen Initiativen der österreichischen Emigranten an und arbeitete von Oktober 1939 bis August 1945 für das deutschsprachige Programm der BBC. Im Winter 1945/46 richtete er ein Wiedereinstellungsgesuch an das österreichische Staatsamt für Unterricht, kehrte nach Wien zurück, war ab Ende Februar 1946 wieder an der Gemäldegalerie des KHM beschäftigt und wurde mit April 1949 Galeriedirektor. Im Jänner 1953 avancierte er zum Verwaltungsdirektor des KHM. Da das Museumsgebäude durch Bombentreffer schwere Beschädigungen davongetragen hatte, was eine Präsentation der Sammlungen auf Jahre hinaus verunmöglichte, organisierte Buschbeck im Auftrag der Bundesregierung mit seinem Kollegen Erich Strohmer die Wanderausstellung „Kunstschätze aus Wien“, die 1946 in Zürich begann, in Brüssel, Amsterdam, Paris, Stockholm, Kopenhagen, London und Oslo gastierte und schließlich in zahlreichen Städten der USA gezeigt wurde. Der Erfolg dieser Schau war außerordentlich, in insgesamt 17 Städten in Europa und den USA sahen sie über 4,5 Millionen Menschen. Die Kunstschätze kehrten erst 1953 nach Wien zurück und wurden in den wiederhergestellten Sälen im ersten Stock des KHM präsentiert. Zum ersten Mal seit ihrer Sicherung 1939 konnte sie somit das Wiener Publikum an ihrem angestammten Platz sehen. Buschbeck stellte in den letzten Jahren seiner Amtszeit die Werke der italienischen, spanischen und französischen Schulen der Gemäldegalerie neu auf und eröffnete Ende Mai 1954 die betreffende Hälfte der Gemäldegalerie. Für diese konnte er auch wichtige Neuerwerbungen tätigen. Sein in deutscher und englischer Sprache verfasster „Führer durch die Gemäldegalerie“ von 1927 erlebte mehrere Neuauflagen (4. Auflage 1936), seine Mitarbeit an den Katalogen der Gemäldegalerie (1928 und 1938) erstreckte sich auf die spanischen, englischen und schwedischen Werke sowie auf die Barockmalerei. Nach seiner Pensionierung Ende 1954 war Buschbeck verantwortlich für den Transfer der Gemäldegalerie Czernin zur Residenzgalerie nach Salzburg und deren Neuaufstellung sowie 1959 für die zeitweise Neuaufstellung der Gemäldegalerie Harrach im Palais auf der Freyung in Wien. 1960 kuratierte er die Ausstellung „Künstlerische Darstellung der Alpenlandschaft im Lauf der Jahrhunderte“ für die Residenzgalerie Salzburg. Laufend veröffentlichte er weiterhin in in- und ausländischen Fachzeitschriften kunsthistorische Beiträge. Buschbeck fungierte im Ruhestand regelmäßig als kunsthistorischer Reisebegleiter. Im Auftrag der Schweizer Gesellschaft für Akademische Reisen in Zürich führte er im Mai 1963 eine Touristengruppe durch Spanien und Portugal. Am 13. Mai besuchten sie die Klippenkette Boca do Inferno beim Seebad Cascais, als eine riesige Welle die Reisegruppe ins Meer spülte. Von acht Personen konnten nur drei gerettet werden. Zeitzeugen schildern Buschbeck als Grandseigneur und Weltbürger altösterreichischer Prägung. Seine hervorragende Sprachenbegabung, ein glänzender Stil sowie umfassendes Fachwissen, welches er in fesselnder Weise zu vermitteln vermochte, machten ihn zu einem begehrten Vortragenden. Buschbeck war 1922 (gemeinsam mit Hans Tietze) Mitbegründer der Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst und gehörte dem Wiener Kulturbund sowie der Royal Academy of Arts in London an (1959 korrespondierendes Mitglied). Er fungierte weiters 1959–63 als Präsident des Vereins für Denkmal- und Stadtbildpflege. Buschbeck war zudem Träger zahlreicher Auszeichnungen: Ritter der Légion dʼhonneur (1937), Offizierskreuz (1931) und Commandeurkreuz (1937) des belgischen Leopoldsordens, Komturkreuz des Königlich Schwedischen Nordstern-Ordens (1948), Komturkreuz des Königlich Dänischen Dannebrog-Ordens (1949), Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1955).

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