Geiger, Peter Johann Nepomuk (1805–1880), Maler, Schnitzer, Zeichner und Illustrator

Geiger Peter Johann Nepomuk, Maler, Schnitzer, Zeichner und Illustrator. Geb. Wien, 11. 1. 1805; gest. ebd., 29. 10. 1880; röm.-kath. Sohn des Wiener Bildhauers Joseph Geiger (geb. Wien, 12. 9. 1779; gest. ebd., 6. 4. 1813), der 1812–13 als provisorischer Direktor der Graveur- und Erzverschneidungsschule an der Akademie der bildenden Künste fungierte. – G. erhielt seinen ersten Unterricht durch seinen Vater und studierte 1821–28 Bildhauerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste, daneben bildete er sich durch eine rege Kopistentätigkeit autodidaktisch weiter. Nach väterlichem Vorbild war er zunächst als Gipsgießer und Bildschnitzer tätig und fertigte kunstvolle, teils plastisch-vielfigurige Meerschaumtabakpfeifen (einige davon befinden sich im Österreichischen Tabakmuseum, Wien) sowie Verzierungen für Uhrkästen und andere Möbel, unter anderem für die renommierte Wiener Möbelfabrik Danhauser. Als eines seiner Hauptwerke auf diesem Gebiet gilt ein über 80 Figuren aufweisender Riesen-Meerschaumkopf, der den Untergang Trojas darstellt. Zu G.s ersten Illustrationsaufträgen zählten die lithographisch vervielfältigten Federzeichnungen zu Anton Zieglers „Vaterländische Immortellen aus dem Gebiete der österreichischen Geschichte …“, 1838–40, und zu dessen „Historischen Memorabilien des In- und Auslandes“, 1840 (die Vorzeichnungen zu beiden Zyklen befinden sich im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste, Wien). Als Freund von →Adalbert Stifter und dessen Verleger →Gustav Heckenast entwarf G. Vignetten für mehrere Werke Stifters (u. a. „Nachsommer“, „Witiko“, „Bunte Steine“). Von Heckenast wurde er wiederholt als Illustrator herangezogen. 1850 begleitete er Erzherzog →Ferdinand Maximilian in den Orient und stattete später in dessen Auftrag das neuerrichtete Schloss Miramar mit monumentalen Wandgemälden aus. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit wirkte G. als Lehrer an der Wiener Akademie: 1844–50 zunächst Korrektor der historischen Zeichnungsgründe, 1846 Adjunkt, 1849 tit. ao. Prof., 1850–52 Lehrer der Elementarzeichnungs- und Modellierschule, 1853–65 Professor des Abendakts an der Vorbereitungsschule und 1865–72 Professor an der Allgemeinen Malerschule. G.s Bedeutung liegt vor allem in seiner Tätigkeit als Illustrator und Aquarellist, wobei zahlreiche Aquarellzyklen auf Aufträge der Hocharistokratie zurückgehen (u. a. ein Zyklus aus der Geschichte des Hauses Czernin von Chudenic sowie Szenen aus dem Leben der Erzherzogin →Sophie); seine Arbeiten zeichnen sich durch historische Treue und minutiöse Detailausführung aus. 1843 Mitglied der Wiener Akademie der bildenden Künste, 1861 Mitglied, 1875 Ehrenmitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus).

Weitere W.: s. Reiter; G. A. Schimmer, Historische Handzeichnungen von J. N. G., 1861; C. L. Wiesböck, P. J. N. G.’s Werke oder Verzeichniss sämmtlicher Radirungen, lithographischen Feder- und Kreidezeichnungen …, 1867 (Separatabdruck aus: Archiv für die zeichnenden Künste … 13, 1867).
L.: NFP, 30. 10. 1880; AKL; Czeike; Fuchs, 19. Jh.; Thieme–Becker; Wurzbach; W. Wagner, Die Geschichte der Akademie der bildenden Künste in Wien, 1967, s. Reg.; P. J. N. G., G. Heckenast. Briefwechsel, unter Bezugnahme auf die Briefe A. Stifters, ed. J. Buchowiecki, 1970; H. Fuchs, Die österreichische Bildnisminiatur 1, 1981; Jugendwerke vom Schillerplatz, ed. G. Peichl, Wien 1988, S. 83 (Kat.); G. Frodl, Geschichtsbilder aus dem alten Österreich, Wien 1989 (Kat.); Kunst des 19. Jahrhunderts 2, bearb. E. Hülmbauer, 1993; C. Reiter, Wie im wachen Traume. Zeichnungen, Aquarelle, Ölskizzen der deutschen und österreichischen Romantik, 2006, S. 82ff. (m. tw. W.); W. Telesko, Geschichtsraum Österreich, 2006, s. Reg.; ders., Kulturraum Österreich, 2008, s. Reg.; W. Aichelburg, 150 Jahre Künstlerhaus Wien 1861–2011, www.wladimir-aichelburg.at (Zugriff 27. 1. 2014); ABK, Wien.
(C. Reiter)   
Zuletzt aktualisiert: 15.11.2014  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 3 (15.11.2014)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 418
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