Hitler, Adolf (1889-1945), Politiker

Hitler Adolf, Politiker. * Braunau a. Inn (O.Ö.), 20. 4. 1889; † Berlin, 30. 4. 1945 (?Selbstmord). Stammt aus dem niederösterr. Waldviertel, wo sich der Name bis ins 15. Jh. zurückverfolgen läßt. Sein Vater Alois (* Strones, N.Ö., 7. 6. 1837), ein uneheliches Kind der Bauerntochter Anna Maria Schickelgruber, die 1842 den wandernden Müllergesellen Johann Hitler (Hiedler) heiratete, trug erst ab 1876 den Namen Hitler. Alois H. trat in den Staatsdienst und war zuletzt Zollass. an der bayr.-österr. Grenze. Seine dritte Frau, Klara Pölzl (* Spital b. Weitra, N.Ö., 12. 8. 1860), schenkte ihm mehrere Kinder, von denen jedoch nur Adolf und eine jüngere Schwester am Leben blieben. Alois H. zog sich 1895 in den Ruhestand nach Hafeld und Leonding (O.Ö.) zurück († 3. 1. 1903). Bei aller Strenge scheint er sich um die Erziehung seines Sohnes wenig gekümmert zu haben. Die bescheidenen, jedoch nicht zu knappen Mittel, über die Klara H. auch als Witwe verfügte, erlaubten es der allzu nachsichtigen Mutter, ihren Sohn nach einem ausgesprochenen Mißerfolg in der Untermittelschule (4 Realschulklassen in Linz und Steyr) ohne weitere Berufsausbildung zu lassen. Nach dem frühen Tode der Mutter († Urfahr, 21. 12. 1907) ging H. nach Wien, um sich zum Maler oder Architekten auszubilden, obwohl schon vorher seine Aufnahme in die Akad. d. bild. Künste in Wien abgelehnt worden war. Ohne einer geregelten Tätigkeit nachzugehen, lebte er anfangs von einer Waisenrente, dem väterlichen Erbteil und den Unterstützungen einer Tante. Später verließ er sich ganz auf den kümmerlichen Ertrag seiner Malereien von Ansichtskarten und Plakaten. Durch eifrige Lektüre eignete sich H. eine umfangreiche Halbbildung an, nahm jedoch nur das auf, was in seine Phantastik paßte. Ein gewisser Einfluß des Sektierers Lanz v. Liebenfels und der von diesem begründeten Ostara-Bewegung scheint nicht ausgeschlossen. Starken Eindruck machten auf H. die alldt. Politik und der Antisemitismus Schönerers und Luegers und die modernen Propagandamethoden der christlichsozialen Partei sowie die Ideen H. St. Chamberlains. 1913 verließ er Wien und ging nach München, wo er sich als Staatenloser meldete, aber 1914 bei Kriegsbeginn sogleich als Freiwilliger in ein bayer. Rgt. eintrat. Er bewährte sich als Meldegänger an der Westfront und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet. Das Kriegsende überraschte ihn in einem Lazarett in Pommern, er kehrte nach München zurück, verblieb bei der Reichswehr und wurde bald wegen seines Rednertalentes Bildungsoff. In dieser Eigenschaft kam er mit dem Parteileben in Berührung. 1920 schloß er sich einer kleinen Gruppe an, die sich Dt. Arbeiterpartei nannte, verstand es, ihre Funktionäre zu verdrängen und durch unermüdliche Propaganda und Aktion selbst bekannt zu werden. Unter Ausnutzung des Konfliktes Bayern-Reich, der Ruhrbesetzung, der weitgehenden Abneigung gegen die „Novemberrepublik“ und einer Verbindung zu Ludendorff versuchte H. am 8./9. 11. 1923 in München einen Putsch, der jedoch mangels Teilnahme der führenden bayer. Kreise und der Reichswehr, mit der er gerechnet hatte, scheiterte. H. wurde verhaftet und brachte ein Jahr auf der Feste Landsberg zu, wo er ein umfangreiches Werk „Mein Kampf“ schrieb, welches seine Weltanschauung und sein polit. Programm mit kurzen lückenhaften und für propagandist. Zwecke zubereiteten autobiograph. Angaben enthielt. Weihnachten 1924 mit Bewährungsfrist entlassen, suchte er nun mit verfassungsmäßigen Mitteln, insbesondere der Beteiligung seiner Partei an den Wahlen, seine polit. Macht zu erweitern. Die Dt. Arbeiterpartei griff jetzt auch auf Norddeutschland über. Die nationalen Forderungen unter dem Hakenkreuzbanner wirkten auf alle Schichten; auch bei Industrie und Wehrmacht fand H. Förderer, obwohl er beide im Grunde bekämpfte. Erst die Wirtschaftskrise und der Zerfall der parlamentar. Regierung führten ihm größere Anhängermassen zu. 1932 konnte er es wagen, gegen Hindenburg für die Stelle des Reichspräs. zu kandidieren, allerdings ohne Erfolg. Auf Empfehlung Papens erreichte er jedoch am 30. 1. 1933 die Ernennung zum Reichskanzler und damit das Sprungbrett zu einer Revolution von oben, die zur Aufrichtung eines Gewaltstaates führte. Oppositionelle Strömungen in den eigenen Reihen warf er durch das Blutbad vom 30. 6. 1934 rücksichtslos nieder. Nach dem Tode Hindenburgs übernahm H. auch das Amt des Reichspräs. und damit den Oberbefehl über die Wehrmacht. Eine straff zentralist. Innenpolitik (Gleichschaltung der Länder, Einheit von Partei und Staat) und eine ebensolche planwirtschaftlich ausgerichtete Wirtschaftspolitik brachte durch Zusammenfassung aller Kräfte, gefördert durch eine Besserung der internationalen Konjunktur, beträchtliche Anfangserfolge. Auch auf künstler. und kulturellem Gebiet entschied H. als oberste Instanz (Bücherverbrennungen, Kampf gegen die „Entartete Kunst“, Konflikt mit den christlichen Konfessionen). Der mit den Nürnberger Rassegesetzen begonnene Kampf gegen das Judentum steigerte sich während des Zweiten Weltkrieges zur Vernichtungsraserei der „Endlösung“ (Gaskammern). Außenpolit. anfangs lavierend, errang er zunächst mehrere Erfolge: Nichtangriffspakt mit Polen 1933, Rückgliederung des Saarlandes, Herstellung der Wehrhoheit, Dt.-engl. Flottenabkommen 1935, Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes 1936. Unter Deckung der unangefochten fortschreitenden Aufrüstung setzte H. seine Politik der vollendeten Tatsachen fort. Eine günstige Konstellation ermöglichte ihm, im März 1938 Österr. kampflos zu besetzen. Es folgten das Sudetenland im Oktober 1938 und die Tschechoslowakei im März 1939 (Errichtung des Protektorates Böhmen und Mähren und des slowak. Staates). Der Angriff auf Polen löste jedoch am 1. 9. 1939 den Zweiten Weltkrieg aus. Als Oberbefehlshaber der Wehrmacht zeigte H., der mit unleugbarem techn. Verständnis die Aufrüstung geleitet hatte, eine unbändige Willenskraft und eine Neigung, alles auf eine Karte zu setzen. Es fehlte ihm nicht an guten strateg. Gedanken, denen aber mehr Mißgriffe gegenüberstanden. Seine Abneigung gegen die Generalität steigerte sich in dem Maße, als diese nach den ersten großen Anfangserfolgen in den Feldzügen gegen Polen, Frankreich und Rußland seinen Befehlen zu sinnlosem Widerstand in unhaltbaren Lagen nicht mehr ganz folgte. Nach den sich mehrenden militär. Rückschlägen schien den immer stärker werdenden Widerstandskräften die gewaltsame Beseitigung H.s als einziger Ausweg. Doch ein Versuch durch das Attentat am 20. 7. 1944 mißlang. H. ließ an Beteiligten und Unbeteiligten fürchterliche Rache üben. Obwohl der Krieg schon verloren, er selbst phys. und geistig am Ende seiner Kräfte stand, ließ er den Kampf um jeden Preis weiterführen. Zuletzt zog er sich in den Bunker der Reichskanzlei in Berlin zurück, wo er sich am 29. 4. 1945 mit seiner langjährigen Freundin Eva Braun vermählte. Am nächsten Tage begingen beide Selbstmord. Die Leichen wurden mit Benzin übergossen und verbrannt. H., ein Phänomen, das aus den Wirrnissen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zu erklären ist, war ein faszinierender Redner, der die Massen mitzureißen verstand und auch bedeutende Persönlichkeiten fremder Völker stark beeindruckte. Ein Monomane, bei dem die Grenzen von Phantasie und Wirklichkeit ineinanderflossen, ist er dem dt. Volk, das zeitweise stark an ihn glaubte, zum Verhängnis geworden. Er träumte von einem german. Weltreich unter Hegemonie der Dt., in Wirklichkeit führte er das dt. Volk durch seine Hybris und durch seine Abenteurerpolitik in den Abgrund.

W.: Mein Kampf, 2 Bde., 1925, bis 1943 870 Aufl., übersetzt in 16 Sprachen; A. H.s Reden, hrsg. von E. Boepple, 1934; The Speeches of A. H., 1922–39, hrsg. von N. H. Baynes, 1942; Die Reden des Führers nach der Machtübernahme, 1939; Ph. Bouhler, Smlg. der Reden, Erlässe und Verlautbarungen des Führers, 1943.
L.: A. Bulock, H., 1952, dt. 1953; W. Görlitz-H. Quindt, A. H., 1952; F. Anfuso, Die beiden Gefreiten, 1952; R. Koppensteiner, Die Ahnentafel des Führers, 1937; A. Kubizek, A. H., mein Jugendfreund, 1953; F. Jetzinger, H.s Jugend, 1956; J. Greiner, Das Ende des Hitlermythos, 1945; W. Daim, Der Mann, der H. die Ideen gab, 1958; J. Goebbels, Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei, 1934; J. Goebbels, Tagebücher aus den Jahren 1942/43. Mit anderen Dokumenten hrsg. von L. P. Lochner, 1948; H. Rauschnig, Gespräche mit H., 1947; H. Picker, H.s Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941/42, 1952; O. Strasser, H. und ich, 1948; H. Frank, Im Angesicht des Todes, 1953; O. Dietrich, 12 Jahre mit H., 1955; A. Zoller, H. privat. Erlebnisbericht seiner Geheimsekretärin, 1949; K. H. Krause, Zehn Jahre Kammerdiener bei H., o. J.; B. Loßberg, Im Wehrmachtsführungsstab, 1949; G. Buchheit, H. der Feldherr. Die Zerstörung einer Legende, 1958; J. v. Müllern-Schönhausen, Die Lösung des Rätsels A. H., 1958; Dt. Geschichte im Überblick, hrsg. von P. Rassow, 1953.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 2 (Lfg. 9, 1959), S. 335ff.
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