Kysela, František (1881-1941), Maler und Graphiker

Kysela František, Maler und Graphiker. * Kauřim (Kouřim, Böhmen), 4. 9. 1881; † Prag, 20. 2. 1941. Absolvent der Prager Kunstgewerbeschule (1900–04, 1906–08) und der Akad. der bildenden Künste in Prag (1904/05), ab 1913 Lehrer und ab 1917 Prof. an der Prager Kunstgewerbeschule. Vielseitige Persönlichkeit auf dem Gebiete der modernen angewandten Kunst, Mitbegründer bedeutender tschech. kunstgewerblicher Werkstätten. Seine Anfänge sind durch Sezession und Kubismus gekennzeichnet; später schuf er, in bewußtem Streben nach dem Ausdruck des nationalen Fühlens und in Anlehnung an die tschech. Volkskunst, eine individuell stilisierte Form. Als Graphiker erwarb sich K. gem. mit V. Brunner (s. d.) und J. Benda große Verdienste um das moderne Buch. Bahnbrecher im Entwerfen des modernen tschech. Plakats, der neuen Auffassung von Entwürfen für Teppiche, Wohnungstextilien, Intarsien, Mosaik, Schmuck und Glas, wurde er zum Begründer der tschech. Tapisseriegestaltung des 20. Jh., ausgehend von den natürlichen Eigenschaften des Materials und von der Webetechnik. Im Zusammenhang mit der Architektur entwarf K. Interieurs, schuf Glasmalereien unter Anknüpfung an das mittelalterliche techn. Verfahren und entwarf Wanddekorationen, gekennzeichnet durch flache ornamentale Behandlung sowie Bühnenbilder und Theaterkostüme.

W.: Ausstattung der Interieurs: Schloß, Neustadt a. d. Mettau, 1922/23; Glasmalerei: Rosettenfenster an der Westfassade, St. Veitsdom, Prag (Entwurf 1921), 1925–27, drei Fenster in den Kapellen und im Presbyterium, ebenda, 1927–36; Tapisserie: Wandteppiche für den tschechoslowak. Pavillon in der Ausst. der dekorativen Künste in Paris, 1925; eine Serie von neun Tapisserien „Arbeit“, heute im Prager Kunstgewerbemus.; Mosaik: Vestibul des Min. für Sozialwesen, 1928, Bartoň-Kapelle, St. Veitsdom, Prag, 1932–35. Bühnenentwürfe: Zusammenarbeit mit dem Theater in Prag-Vinohrady, vor allem aber mit dem Prager Nationaltheater im Zusammenhang mit den beiden Smetana-Jubiläen 1924 und 1934. Wanddekorationen: Café Arco, Prag, 1907; Národní dům, Prossnitz, 1908; Theater Königgrätz, 1911; etc.
L.: Umění 13, 1940–41, S. 251, 9, 1961, S. 492; Hollar 17, 1941, S. 1; Tvar 7, 1955, S. 170; E. Poche-S. Marešová, F. K., in: Nové prameny, Bd. 6, 1956; Masaryk 4; Otto III/2; Toman.
(Kratinová)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 20, 1969), S. 388f.
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