Schirnhofer, P. Gerhard (Friedrich) (1819-1901), Gartenbaufachmann

Schirnhofer P. Gerhard (Friedrich), OCist., Gartenbaufachmann. * Traiskirchen (NÖ), 2. 3. 1819; † Lilienfeld (NÖ), 7. 12. 1901. Sohn eines Kreisamtskassiers; trat nach Absolv. des Akadem. Gymn. in Wien 1838 in das Zisterzienserstift Lilienfeld ein, legte 1841 die Profeß ab, besuchte1839–43 die philosoph.-theolog. Lehranstalt in Heiligenkreuz (NÖ) und erhielt 1843 die Priesterweihe. Anschließend wirkte er zunächst im Stift, dann als Kaplan in NÖ (Wilhelmsburg, Kaumberg, Annaberg), 1858–93 (nominell bis 1899) als Hofmeister in Wien, worauf er in das Stift zurückkehrte. Speziell am Garten- bzw. Obstbau interessiert, legte er seine Erfahrungen nicht nur in mehreren Publ., u. a. in einem Hdb., nieder, sondern hielt auch zahlreiche Vorträge und Kurse an verschiedenen Schulen, u. a. am Polytechn. Inst. in Wien, ab. Seine langjährige Tätigkeit in Wien gab ihm Gelegenheit, bei einschlägigen Ver., speziell bei der Gartenbau-Ges. mitzuarbeiten, an deren Gärtnerschule er 1872–84 Obstbaumzucht lehrte. Diese Institution leitete S. auch ein Jahrzehnt als Dir. 1871 Mitgl. des Verwaltungsrates der Ges., wurde er 1873 Generalsekretär, 1891 Zweiter Vizepräs, und versah 1881–86 auch das Amt des Kassenkurators. Ein Augenleiden zwang ihn, 1893 alle Funktionen niederzulegen. Neben seinen fachkundlichen Veröff. publ, er auch kleinere hist. Stud., beantragte 1875 die Errichtung eines eigenen Blumenmarkts in Wien, trat dort auch für die Anlage eines Akklimatisationsgartens im Prater ein und initiierte die Errichtung eines Denkmals für den Japanforscher Philipp F. v. Siebold in Würzburg. S. wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. Ehrenmitgl. mehrerer Gartenbauver., u. a. 1884 jenes von Würzburg, 1895 der Gartenbau-Ges. in Wien und 1899 bischöflicher Konsistorialrat. 1882 benannte man eine neugezogene Spielart der Roßkastanie (Aesculus hippocastanum Schirnhoferi) nach diesem hochverdienten Gartenbaufachmann.

W.: Der Steinbach Sepp, ein Freund der Obstbaumzucht, 1856, 2. Aufl. 1870; Die Gemeinde-Obstbaumschule und Pflege des Obstbaumes, 1858, 4. Aufl.: Prakt. Hdb. zur Obstbaumzucht. Ein Leitfaden für Landwirthe und Mittelschulen, 1875; Die k. k. Gartenbau-Ges. in Wien und ihre Leistungen in den Jahren 1864–1877, 1877; Ph. F. Frh. V. Siebold, o. J.; Abhh. in Ztg. und Z.; usw.
L.: Wr. Landwirtschaftliche Ztg. vom 3. 6. 1882; L. Wittmack, in: Gartenflora 51, 1902, S. 52; Cistercienser-Chronik 14, (1902), S. 60ff.; F. Weber, in: Garten 11, 1987, S. 402f.; R. Weisgram, ebenda, 11, 1987, S. 404; P. Tobner. Das Cistercienser-Stift Lilienfeld in Nieder-Oesterr., 1891, S. 136f.; A. Burgerstein. Die k. k. Gartenbau-Ges. in Wien 1837–1907, 1907, S. 65ff.; C. Bertsch – E. Müller, Biograph. Darstellung der Zisterzienser des Stiftes Lilienfeld 1891–1977, 1977, S. 11f. (mit Werksverzeichnis); E. Müller, Profeßbuch des Stiftes Lilienfeld, 1989, S. 618f., Manuskript, Stift Lilienfeld, NÖ.
(Ch. Riedl-Dorn)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 164
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