Steiger von Amstein, Anton David (1755–1832), Mineraloge und Montanist

Steiger von Amstein Anton David, Mineraloge und Montanist. Geb. Pecsenyéd, Ungarn (Pöttsching, Bgld.), 2. 2. 1755; gest. Wr. Neustadt (NÖ), 30. 1. 1832. Sohn eines Wirts. Nach Absolv. seiner Schulausbildung in Ödenburg (Sopron) und Wr. Neustadt wandte sich S. ab 1776 dem landwirtschaftl. Fach zu. Zunächst diente er als Schreiber bei diversen Privatherrschaften im südl. NÖ, 1779 wechselte er in gleicher Tätigkeit zu Johann Ferdinand Gf. v. Pergen nach Seebenstein, 1782 als Rentschreiber nach Krumbach, wo er den Grundstein für seine Fossiliensmlg. legte. Während dieser Zeit stud. S. zwei Jahre Mineral. an der Bergakad. in Schemnitz (Banská Štiavnica), kehrte dann aber wieder in seine Heimat zurück. Auf Empfehlung Ignaz v. Borns wurde er 1785 von K. Joseph II. mit der Suche von Steinkohlelagern betraut. Er erschloß zahlreiche Lagerstätten im südöstl. NÖ, der nordwestl. Stmk. und in Westungarn. 1788 pachtete S. die Herrschaft Saubersdorf und wirkte bei der Errichtung des Eisenwerks Erlach bei Pitten mit. 1792 wurde er Burg- und Ökonomieverwalter an der Militärakad. in Wr. Neustadt, i. d. F. Zahlmeister. Während der Franzosenkriege 1797, 1805 und 1809 machte er sich um Schutz und Erhaltung der Militärakad. bes. verdient. Weitere montanist. Forschungen führten 1805 zur Entdeckung der Schwefelgruben in St. Christof bei Gloggnitz und von Blauspat bei Krieglach in der Oberstmk. 1819 eröffnete S. Kohlengruben in Thomasberg, wo er ein Privileg zur Erzeugung von Koks erhielt. S., sein Leben lang dem romant.-sentimentalen Rittertum verhaftet, hatte von Johann Joseph v. Pergen 1788 die verfallene Burg Seebenstein samt verlassenem Schloß gepachtet, renovierte die Gemäuer, stattete sie mit alten Möbeln, Bildern und Waffen aus und legte eine mustergültige Mineralien- und Hölzersmlg. an. Hier gründete S. als Burgherr und Oberritter 1790 (Heinz am Stein der Wilden) die Wildensteiner Ritterschaft zur Blauen Erde, welche die ritterl. Ideale und das Volkslied wieder aufleben lassen wollte. 1823 wurde die Ritterschaft, die Vorlage für die Komödie „Die blöden Ritter“ von A. Bäuerle (s. d.) war, aufgelöst und die Burg 1824 an Johann Fürst v. Liechtenstein verkauft, was S. bis zu seinem Lebensende nicht verkraften konnte. S. war mit seiner ersten Frau Anna Maria, geb. Hild, Vorbild für Emanuel Schikaneders Komödie „Mutter und Tochter als Nebenbuhler“. 1812 nob.

L.: Wurzbach; F. A. v. Schönholz, Traditionen zur Charakteristik Österr. …, ed. G. Gugitz (= Denkwürdigkeiten aus Alt-Österr. 3), 1914, s. Reg. (m. B.); F. Takacs, Burg und Herrschaft Seebenstein, phil. Diss. Wien, 1954, S. 178ff.; A. Stalzer, Burg Seebenstein, 1967, S. 27ff.; Bgld. Jb. 1970 der Diözese Eisenstadt, 1969, S. 84; O. Hofner, in: Österr. in Ges. und Literatur 4, 1979, 5, S. 230ff.; M. Weltin u. a., Wehrbauten und Adelssitze NÖ. Das Viertel unter dem Wienerwald 2 (= Stud. und Forschungen aus dem Nö. Inst. für Landeskde., Sonderdruck 2), 2003, S. 149ff., 162f.; Materialiensmlg. ÖBL, Wien.
(M. Martischnig)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 145
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