Teutsch, Georg Daniel (1817–1893), Bischof und Historiker

Teutsch Georg Daniel, Bischof und Historiker. Geb. Schäßburg, Siebenbürgen (Sighișoara, RO), 12. 12. 1817; gest. Hermannstadt, Siebenbürgen (Sibiu, RO), 2. 7. 1893; evang. AB. Sohn des Seifensieders Martin T. und seiner Frau Maria Katharina T., geb. Weiß, Vater von →Friedrich T. – Nach seiner Gymn.ausbildung an der Schäßburger Bergschule und einem Aufenthalt an der Protestant.-theol. Lehranstalt in Wien (1837) stud. T. Geschichte, Geographie und Theol. in Berlin. Zunächst Hauslehrer, war er ab 1842 an der heimatl. Bergschule als Lehrer tätig und widmete sich, beeinflusst von Leopold v. Ranke und Heinrich v. Treitschke, der Arbeit an seiner „Geschichte der Siebenbürger Sachsen für das sächsische Volk“ (1852–58; Nachdrucke 1907 und 1984) und dem siebenbürg. Ver.wesen (Ver. für siebenbürg. Landeskde.), der polit. Vertretung der Sachsen in den bedrängenden Zeitfragen der Union mit Ungarn, die vom Klausenburger LT 1848 beschlossen wurde. Als Rektor der Bergschule (1850–63) war T. mit der Reorganisation des siebenbürg. Schulwesens befasst, er initiierte die Nationaldotation (1852) zugunsten der evang.-dt. Schulen und die von der Landeskirchenversmlg. 1861 beschlossene synodal-presbyteriale Kirchenverfassung. Im geistl. Amt war T. anfangs von einer rationalist. Theol. getragen, später bekannte er sich zu einer Theol. der Vermittlung. Er wirkte ab 1863 als Pfarrer in Agnetheln (Agnita), wurde 1864 Dechant des Schenker Kirchenbez. und schließl. in Hermannstadt 1867 zum Bischof gewählt, wobei er die Übersiedlung des Bischofssitzes von Birthälm (Biertan) durchzuführen hatte. In dieser Funktion kämpfte T. für die Rechte der sächs. Nation, die er gegen die beständige Gefahr der Magyarisierung immunisieren wollte. 1870–84 führte er die Visitation sämtl. Gmd. der Landeskirche durch, seine Visitationsberr. sind eine bedeutsame Quelle für die Kenntnis des zeitgenöss. kirchl. Lebens, des Brauchtums und der siebenbürg. volkskirchl. Tradition, in der sich das sächs. Volksbewusstsein erhalten konnte. Er stand zeitlebens in enger Verbindung mit Österr. und Dtld., insbes. mit dem Gustav-Adolf-Werk, dessen Zentralvorstand er angehörte. Von dt. Univ. wurden seine schriftsteller., kirchl. und polit. Leistungen wiederholt gewürdigt (1882 Dr. theol. h. c., Jena; 1884 Dr. iur. h. c., Berlin; Dr. phil. h. c., Jena).

Weitere W.: s. Bautz; Trausch; Wurzbach; Binder.
L.: ADB; Bautz (m. W.); RGG; Trausch (m. W.); Wurzbach (m. W.); F. Teutsch, G. D. T. Geschichte seines Lebens, 1909 (m. B.); Realenc. für protestant. Theol. und Kirche 19, 1907; L. Binder, in: ders. – J. Scheerer, Die Bischöfe der Evang. Kirche A.B. in Siebenbürgen 2, 1980, S. 3ff. (m. B. u. W.); Briefe an G. D. T., ed. M. Vlaicu, 1994.
(K. W. Schwarz)   
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 271f.
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