Auchentaller, Josef Maria (1865–1949), Maler, Zeichner, Plakatkünstler und Schmuckdesigner

Auchentaller Josef Maria, Maler, Zeichner, Plakatkünstler und Schmuckdesigner. Geb. Wien, 2. 8. 1865; gest. Grado (I), 31. 12. 1949; röm.-kath. Sohn des Seidenhändlers Josef Auchentaller und der Maria Theresia Auchentaller, geb. Schilling, Schwager von Viktor Thonet; ab 1891 mit Emma Scheid (geb. Wien, 1868; gest. Grado, 23. 3. 1945), der ältesten Tochter des Wiener Silber- und Schmuckfabrikanten →Georg Adam Scheid, verheiratet. – Nach Besuch der Realschule studierte A. ab 1882 an der Technischen Hochschule in Wien u. a. bei →Karl von Lützow und →Josef Bayer (1884 Erste Staatsprüfung), brach das Studium aber 1886 ab und wechselte an die Akademie der bildenden Künste in die Malklasse von →Franz Rumpler (1888 Silberne Füger-Medaille, 1889 Gundel-Preis) und 1890–91 in die Spezialschule von →Leopold Karl Müller. 1892–96 lebte er in München, wo er ab 1892 die Münchner Akademie der Bildenden Künste bei Paul Höcker besuchte und mit der Münchener Secession in Kontakt kam bzw. an der Wochenschrift für Kunst und Leben „Jugend“ mitarbeitete, 1896–97 hielt er sich zu Studienzwecken in Oberitalien auf. Ab 1896 arbeitete A. auch verstärkt als Schmuckdesigner für die Firma seines Schwiegervaters, G. A. Scheid, und gestaltete stark vom Jugendstil geprägte Schmuckstücke und kunstgewerbliche Arbeiten (Dosen, Flakons). Weiters schuf er 1898–99 das Interieur für die Villa seines Schwiegervaters (Wien 19) und entwarf für das dortige Musikzimmer einen Gemäldezyklus, der sich auf Beethovens Symphonie Nr. 6 „Pastorale“ bezieht. Ab 1899 Mitglied der Wiener Secession, schuf er 1898 erste Zeichnungen für das 7. Heft der Zeitschrift „Ver Sacrum“, 1900–01 war er Mitglied in deren Redaktionskomitee; das 8. Heft des IV. Jahrgangs (1901) war zur Gänze A. gewidmet. 1902 organisierte A. die XIV. Secessionsausstellung in Wien, die Beethoven gewidmet war; er selbst nahm mit dem Fries „Freude, schöner Götterfunken“ daran teil. Daneben entwickelte er eine rege Tätigkeit als Plakatmaler und Graphiker, wobei seine Plakate Standards setzten und sich durch starke flächige Stilisierung und lebhafte Farben auszeichneten, etwa das Plakat für das Haarfärbemittel „Aureol“, 1898. 1903 übersiedelte er mit seiner Frau Emma und den Kindern Maria und Peter nach Grado, wo das Ehepaar entscheidend zum touristischen Aufschwung des Adriaseebads beitrug. So führte Emma Auchentaller sehr erfolgreich die Pension Fortino (gebaut nach einem Entwurf des befreundeten Architekten →Julius Mayreder) und 1906 entwarf A. das berühmte Plakat „Seebad Grado. Österreichisches Küstenland“ sowie weitere Werbegraphiken. 1904–14 verbrachte er jeden Sommer in Grado, in den Wintermonaten lebte er in Wien. Schon in dieser Zeit schwächten sich seine Kontakte zur Wiener Kunstszene ab, während ihm Freunde – die Maler →Karl Moll, →Alfred Roller, →Wilhelm List, →Max(imilian) Kurzweil und der Architekt Otto Wagner – gelegentliche Besuche abstatteten. 1908 mietete er für kurze Zeit ein Atelier in Wien, wo er ab 1910 auch privaten Malunterricht erteilte. Es folgte eine intensive Tätigkeit als Landschafts- und Porträtmaler. Auf der Internationalen Kunstschau 1909 zeigte er das Gemälde seines Sohns „Porträt von Peter“, 1910 nahm er mit dem Werk „Diana“ an der 1. Internationalen Jagdausstellung in Wien teil. Eine lebenslange Freundschaft verband A. mit seinem Schwager Viktor Thonet, dem Leiter der Thonet’schen Möbelfabrik in Bistritz am Hostein, und dessen Frau Martha, der jüngeren Schwester von Emma, die er mehrfach porträtierte (u. a. Martha Thonet auf der Parkbank in Bistritz, 1912). 1912 beteiligte sich A. mit dem Gemälde „Bunte Bänder“, einem Porträt der Tochter Maria, an der Großen Kunstausstellung in Dresden und fand damit in den Medien und unter Künstlerkollegen großen Anklang. Mit dem Tod der Tochter im Juli 1914 und dem Ausbruch des 1. Weltkriegs begann für A. eine schwierige Zeit. Die Familie musste Grado verlassen und fand bei Verwandten im friaulischen Hinterland Zuflucht. 1915 folgten Aufenthalte A.s in Hinterstoder und am Grundlsee im elterlichen Haus. Im Jänner 1916 erhielt er die Einberufung in ein Regiment der Tiroler Kaiserjäger und leistete bis Juni 1917 Dienst im Kriegsgefangenenlager Kleinmünchen bei Linz. 1917–19 hielt er sich wieder am Grundlsee auf, wo er eine intensive Tätigkeit als Landschaftsmaler ausübte. Nachdem 1919 Emma A. ihre Besitztümer in Grado zurückerstattet worden waren, übersiedelte das Ehepaar wieder dorthin. Als in den 1920er-Jahren einige seiner Gemälde, die A. für eine Ausstellung in Argentinien vorbereitet hatte, auf rätselhafte Weise verschwanden, zog er sich verbittert aus dem Kulturleben zurück. Erst seit 2008 erfolgt eine Wiederentdeckung des Künstlers in mehreren Ausstellungen. Egyd Gstättner setzte sich mit seiner Person im Künstlerroman „Das Geisterschiff“ (2013) auseinander.

Weitere W.: s. Vogelsberger, 1985; J. M. A. (1865–1949). Ein Künstler der Wiener Secession.
L.: Die Presse, 16. 11. 2013 (Beil.); WZ, 6./7. 9. 2014; AKL; ÖKL; Thieme–Becker; V. Vogelsberger, J. M. A. (1865–1949). Leben und Werk, geisteswiss. Diss. Innsbruck, 1985 (mit W.); dies., in: Belle époque imperiale: l’arte, il design, ed. R. Sgubin, Gorizia 2005, S. 41ff. (Kat.); J. M. A. (1865–1949). Ein Künstler der Wiener Secession. Un secessionista ai confini dell’Impero, ed. R. Festi, Gorizia – Bolzano/Bozen – Wien 2008 (Kat., mit Bild und teilweisem W.); A. Maleta, J. M. A. nella collezione di V. e M. Thonet / in der V. und M. Thonet Sammlung, Gorizia 2008 (Kat.); M. Bressan, Réclame per Grado 1892–1960, Grado 2013, S. 21, 31ff., 49f., 52, 89 (Kat.); Wiener Bijoux. Gioielli e design. J. M. A. per/für G. A. Scheid 1895–1910, ed. R. Festi, Grado 2015 (Kat.); Der Jugendstilmaler J. M. A., http://www.auchentaller-art.com/index.html (Zugriff 31. 1. 2015); ABK, Wien.
(A. Smetana)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
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