Erdinger, Anton (1829–1917), Theologe und Fachschriftsteller

Erdinger Anton, Theologe und Fachschriftsteller. Geb. Steinegg (Niederösterreich), 2. 1. 1829; gest. St. Pölten (Niederösterreich), 3. 4. 1917; röm.-kath. Sohn des Hammerschmieds Johann Erdinger und dessen Frau Franziska Erdinger, geb. Metz, Bruder von →Karl Borromäus Erdinger sowie des Zisterzienser-Priesters Augustin (Franz) Erdinger (geb. Steinegg, 3. 4. 1823; gest. Zwettl, Niederösterreich, 15. 7. 1885). – E. absolvierte 1843–49 das Piaristengymnasium in Horn, 1849–51 jenes in Krems sowie 1851–55 das Priesterseminar in St. Pölten; Ordination 1855. In der Folge wirkte er 1855–56 als Kaplan in Burgschleinitz und 1856–65 als Vizerektor im bischöflichen Knabenseminar in Krems. 1865 wurde er Professor für Moraltheologie an der theologischen Diözesanlehranstalt in St. Pölten. 1869 zum Prosynodal-Examinator ernannt, bestellte man ihn 1873 zum Direktor des bischöflichen Priesterseminars in St. Pölten. Im selben Jahr wurde E. zum Konsistorialrat, 1876 zum päpstlichen Ehrenkämmerer und 1877 zum Ehrenkanonikus von St. Pölten ernannt. Die Ernennung zum Domherrn und der Eintritt ins Domkapitel erfolgten 1886 und somit auch sein Rücktritt als Direktor des Priesterseminars. 1889 wurde E. Ordinariatskommissär am Institut der Englischen Fräulein in St. Pölten (bis 1899), 1890 Prodirektor (bis 1897) und bischöflicher Kommissär (bis 1899) für die theologische Lehranstalt in Göttweig. 1891 avancierte E. zum Generalvikar der Diözese St. Pölten. Ab 1893 Domscholaster, wählte man ihn nach dem Tod von Bischof →Matthäus Binder zum Kapitelvikar. 1895 zum bischöflichen Schulkommissär über die Volks- und Bürgerschulen in der Diözese St. Pölten bestellt, hatte er diese Funktion bis 1916 inne; 1900 Dompropst. E. verfasste zahlreiche aszetische, historische, homiletische und pastorale Schriften. 1859 veröffentlichte er „Die sieben Worte Christi am Kreuze. Exercitienreden für die studierende Jugend“. Von Bedeutung sind v. a. seine biographischen Arbeiten, wie die Weiterführung des „Necrologium der Säcular- und Regular-Geistlichkeit der Diöcese St. Pölten“ (1885), die „Bibliographie des Clerus der Diöcese St. Pölten ... 1785–1889 ...“ (1889) oder „Dr. Joseph Feßler, Bischof von St. Pölten und Sekretär des vatikanischen Concils. Ein Lebensbild“ (1874). Für die Geschichtswissenschaft und Heimatforschung sind seine Mitarbeit an den „Geschichtlichen Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt“ und seine Abhandlungen zur Geschichte der Kartause Gaming sowie der 1751 aufgehobenen Propstei Zwettl hervorzuheben. 1898 erhielt E. das Ritterkreuz des Leopold-Ordens.

Weitere W. (s. auch Tampier): Maria Rafing. Ein Beitrag zur Geschichte des Protestantismus und Josefinismus in Oesterreich, in: Österreichische Vierteljahresschrift für katholische Theologie 9, 1870; Das Zweitafelgesetz und der vierte Stand ..., 1873; Der österreichische Vianney, 1873; Beiträge zur Geschichte der Karthause und Pfarre Gaming, in: Geschichtliche Beilagen zu den Consistorialcurrenden der Diözese St. Pölten 5, 1895; Beiträge zur Geschichte der Propstei Zwettl, in: Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt 7, 1901. – Nachlass: Diözesanarchiv St. Pölten, Niederösterreich.
L.: St. Pöltner Zeitung, 5. 4. 1917; A. Tampier, A. E. Dompropst zu St. Pölten, Diss. Wien, 1955 (mit W.); Stiftspfarre Altenburg, Diözesanarchiv St. Pölten, beide Niederösterreich.
(K. Kollermann)   
Zuletzt aktualisiert: 25.11.2016  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 5 (25.11.2016)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 3, 1956), S. 261
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