Šantel, Aleksander (Saša) (1883-1945), Maler, Graphiker und Musiker

Šantel Aleksander (Saša), Maler, Graphiker und Musiker. * Görz, 15. 3. 1883; † Laibach (Ljubljana), 1. 7. 1945. Sohn der Folgenden, Bruder der Malerin Henrietta Š. (s. d.); stud. in Wien 1901–04 Freihandzeichnen an der Kunstgewerbeschule des Österr. Mus. für Kunst und Ind. bei Kenner und an der Akad. der bildenden Künste, 1902/03 und 1906 an der Univ. Kunstgeschichte, aber auch Musikwiss. bei G. Adler (s. d.). Š. war bis 1906 am Gymn. in Wien III. (1907 Lehramtsprüfung aus Zeichnen und darstellender Geometrie), dann in Capodistria (Koper), 1908–18 in Mitterburg (Pazin), 1919 in Sušak, ab 1920 an der Gewerbeschule in Laibach tätig, wo er auch an der Kunstschule Probuda wirkte. 1913 vervollkommnete er sich an der graph. Schule Brockoffs in München. Während seines Wr. Aufenthaltes gründete er gem. mit seinen slowen. Kollegen (u. a. Gaspari, Birolla und Smrekar) an der Akad. der bildenden Künste den Künstlerver. Vesna, dessen Motto „Kunst aus dem Volke für das Volk“ war und der folklorist. Motive sowie Förderung der Graphik als Illustration und der dekorativen Kunst – beeinflußt von der Wr. Secession – anstrebte. Š. neigte zum lyr. Realismus, dessen Farben und Lichtwerte auch vom Impressionismus beeinflußt wurden. Sein Œuvre umfaßt Landschaften (Istrien und Slowenien), Porträts, musikal. und folklorist. Motive (z. B. Volkstrachten aus dem Küstenland, die als Ansichtskarten vervielfältigt wurden). Beachtenswert sind seine Graphiken (Holzschnitte, Radierungen), bes. der Zyklus slowen. Komponisten. Š. verfaßte auch kunsthist. wichtige Abhh. und war daneben ein angesehener Violinist und Komponist von Instrumental- und Vokalmusik. Seine klare, einfache und inventive Melodik bewegt sich – oft betont national – zwischen der Klassik der Wr. Schule, der Romantik und der Volksmusik. Ausst.: Laibach 1943, 1983, Nova Gorica 1970 (Familienausst.).

W.: Slowen. Komponisten, 1913–42 (Graphikser.); Selbstbildnis, 1936; Slowen. Komponisten, 1936 (Saal der Slowen. Philharmonie, Laibach); E. Gangl, M. Šubic, beide 1939(beide Porträts); Ölgemälde; Aquarelle; etc. –Kompositionen: 20 Männerchöre, 1901; Kroat. Messe, 1908; Altslaw. Messe, 1914; Blejski zvon (Die Veldeser Glocke), 1932 (Operette); etc. – Publ.: Abhh. über Musik und bildende Kunst in Z., u. a. in Napredna misel, Veda, Umetnost.
L.: Bénézit; Enc. Jug.; Enc. lik. umj.; Masaryk; Muzička Enc.; Nar. Enc.; Otto, Erg. Bd. VI/1; SBL; Thieme–Becker (s. unter Šantel Augusta); S. Š. 1883–1943, Laibach 1943 (Kat.); F. Stelè,Slovenski slikarji, 1949, s. Reg.; ders., Umetnost v Primorju, 1960, S. 98, 156; F. Šijanec, Sodobna slovenska likovna umetnost, 1961, S. 69 ff.; P. Krečič, Slikarji Š., Nova Gorica 1970 (Kat.); I. Tomše, S. Š. 1883–1945, Narodna Galerija, Ljubljana 1983 (Kat.); Leksikon jugoslavenske muzike, red. von K. Kovačević, 2, 1984; UA Wien.
(E. Cevc)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 45, 1988), S. 415f.
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