Aman (Amann), Johann Nepomuk (1765–1834), Architekt

Aman (Amann) Johann Nepomuk, Architekt. Geb. St. Blasien, Vorderösterreich (D), 19. 5. 1765; gest. Wien, 28. 11. 1834; röm.-kath. Sohn von Johann Baptist Aman, Hoftischlermeister von St. Blasien, und dessen Frau Maria Anna, geb. Stiegler; verheiratet in 1. Ehe ab 1795 mit Barbara Eckstein, in 2. Ehe ab 1800 mit Klara Marie Klöff und in 3. Ehe ab 1807 mit Maria Anna Gigl. – Auf Wunsch des Vaters sollte A. Tischler werden, doch der Neubau der Klosterkirche von St. Blasien nach einem Entwurf von Pierre Michel d’Ixnard weckte sein Interesse an Architektur. Seine erste Ausbildung erfuhr er im Kloster St. Blasien, wo ihn ein Ordensmann auch an den Glasfenstern für den neuen Dom mitarbeiten ließ. Auf Veranlassung von Abt Martin Gerbert konnte A. 1789–90 auf Kosten des Klosters an der Akademie der bildenden Künste in Wien studieren. 1791–92 sammelte er bei der k. k. Vorderösterreichischen Baudirektion in Freiburg im Breisgau erste berufliche Erfahrungen, bevor ihn Abt Mauritius Ribbele 1793 zum Studium nach Italien sandte. Die Reise führte A. u. a. nach Florenz, Mailand, Venedig und Neapel, wo er anlässlich eines Ausbruchs des Vesuvs im Juli 1794 Skizzen anfertigte. 1795 kehrte er nach St. Blasien zurück, um künftig als Stiftsarchitekt tätig zu sein. Im Zuge des 1. Koalitionskriegs verließ A. St. Blasien allerdings ein Jahr später und reiste nach Wien. Aufgrund seiner Kenntnis italienischer Sammlungen erhielt er hier den Auftrag, die ehemalige Hauptmaut zu einem Galeriegebäude (sogenanntes Palais Deym) für die Kunst- und Kuriositätensammlung von Joseph Nepomuk Graf Deym von Střítež, alias Joseph Müller, umzubauen (1797–98). 1798 gestaltete A. den Chorraum der Kirche Am Hof klassizistisch um und legte 1799 zwei Entwürfe für eine Neufassadierung des Stadtpalais Schwarzenberg am Neuen Markt vor. 1800 entwickelte er für Emanuel Schikaneder Pläne für ein neues Theater (Theater an der Wien), das später nach Entwürfen von →Franz Jäger d. Ä. durch Anton Jäger und Joseph Reymund d. J. erbaut wurde. Für Andreas Freiherr von Fellner errichtete er 1801–02 ein Palais auf dem Hohen Markt (später Palais Sina). Durch die Adaptierung des aufgehobenen Karmeliterklosters auf der Laimgrube zu einer öffentlichen Besserungsanstalt (1802) wurde der Hof auf ihn aufmerksam, und 1803 ernannte ihn Kaiser →Franz II. (I.) zum k. k. Unterhofarchitekten, 1807 zum Zweiten Hofarchitekten. 1808–12 erfolgte der Bau des Deutschen Theaters in Pest nach seinen Plänen. Aufgrund einer neuen Aufteilung der Zuständigkeiten im Hofbauamt (1810) zwischen Louis de Montoyer d. Ä. als Erstem Hofarchitekten und A. als Zweitem Hofarchitekten sollte dieser künftig für die Baustellen in den Vorstädten und Vororten zuständig sein, doch verhinderte der Tod Montoyers diese Bestrebungen. Somit unterstanden alle Bauplätze des Hofbauamts in Wien und Umgebung ab 1811 ausschließlich A. In seiner Funktion als Hofarchitekt entwarf er u. a. eine Triumphpforte für Kaiser Franz beim Kärntnertor (1814), beschäftigte sich mit Neubauplänen für das Alte Burgtheater und legte mehrere Projekte für die Gestaltung des Äußeren Burgplatzes (später Heldenplatz) und einen Weiterbau der Wiener Hofburg vor. Infolge seiner intensiven Auseinandersetzung mit der kaiserlichen Residenz, die er nach den ursprünglichen Vorstellungen von Johann Bernhard und Joseph Emanuel Fischer von Erlach aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts vollendet wissen wollte, stellte er ein umfangreiches Werk zur Baugeschichte der Wiener Hofburg zwischen 1190 und 1816 zusammen. Für diesen „Historischen Atlas“ suchte A. 1824 um das kaiserliche Druckprivileg an, zur Drucklegung kam es jedoch nicht. Nach dem Tod →Johann Ferdinand Hetzendorfs von Hohenberg bewarb sich A. 1817 erfolglos um dessen Nachfolge als Direktor der Architekturklasse an der Akademie der bildenden Künste. Unter A.s Leitung wurde Schloss Schönbrunn 1817–19 einer umfassenden Renovierung unterzogen, die auch eine Veränderung der Fassaden nach sich zog. Neben seiner Tätigkeit für das Hofbauamt errichtete er für das Stift Klosterneuburg zwei Mietshäuser in Wien (Klosterneuburger Hof, 1803–07), erarbeitete Restaurierungspläne für den Südturm des Stephansdoms nach dem Beschuss durch französische Truppen (1809) und erbaute die Tierärztliche Hochschule (1821–23). 1794 wurde A. zum Ehrenmitglied der Accademia di San Luca (Rom) ernannt.

Weitere W. (s. auch Architektenlexikon): Kaiserhaus, 1792 (Baden, ihm zugeschrieben); Denkmal für Johann Baptist Alxinger, nach 1799 (Pötzleinsdorfer Schlosspark, Wien); Pfarrkirche Reidling, 1802–06; Palais Sandór, 1803–06 (Pest); Trauergerüste für Kaiserin Maria Theresia, 1807, und Kaiserin Maria Ludovica, 1816 (Augustinerkirche); Glashäuser für den Kaisergarten in der Ungargasse, 1819–20.
L.: WZ, 3. 12. 1834; AKL; NDB; Thieme–Becker; Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst 15, 1824, S. 555f.; Mittheilungen aus Wien. Zeitgemälde des Neuesten und Wissenswürdigsten aus dem Gebiete der Künste und Wissenschaften … 2, ed. F. Pietznigg, 1835, S. 3ff., 75ff., 147ff.; W. Wagner, Die Geschichte der Akademie der bildenden Künste in Wien, 1967, S. 82; R. Wagner-Rieger, Wiens Architektur im 19. Jahrhundert, 1970, s. Reg.; R. Wagner-Rieger, in: Geschichte der Stadt Wien, NR 7/3, 1973, s. Reg.; E. Haider, Verlorenes Wien. Adelspaläste vergangener Tage, 1984, S. 41ff.; E. Iby – A. Koller, Schönbrunn, 2000, S. 246ff.; A. Brauner, Die klassizistischen Fassadenentwürfe für das ehemalige Stadtpalais Schwarzenberg in Wien, phil. DA Wien, 2008, S. 67ff.; Die Wiener Hofburg 1835–1918. Der Ausbau der Residenz …, ed. W. Telesko, 2012, s. Reg.; Die Wiener Hofburg 1705–1835. Die kaiserliche Residenz vom Barock bis zum Klassizismus, ed. H. Lorenz – A. Mader-Kratky, 2016, S. 201ff., 214ff., 260ff.; J. Sisa, Hungarian Architecture and Design 1800–1900, 2016, s. Reg.; Architektenlexikon Wien 1770–1945 (nur online, mit tw. W., Zugriff 13. 3. 2017); ABK, Wien.
(A. Mader-Kratky)   
Zuletzt aktualisiert: 27.11.2017  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 6 (27.11.2017)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 17
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>