Dafert von Sensel-Timmer, Otto Ritter (1888–1945), Chemiker und Pharmakologe

Dafert von Sensel-Timmer Otto Ritter, Chemiker und Pharmakologe. Geb. Campinas (BR), 5. 2. 1888; gest. Wien, 22. 4. 1945. Sohn von →Franz Dafert Ritter von Sensel-Timmer und dessen Frau Amalie Günther (1861–1954). – Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wien (1899–1907) studierte D. 1908–13 Chemie an der Universität Wien, u. a. bei →Zdenko Skraup und →Guido Goldschmiedt; 1913 Dr. phil. Kurzzeitig als Assistent in einer Leimfabrik tätig, wechselte er noch 1913 als wissenschaftliche Hilfskraft in die Landwirtschaftlich-chemische Versuchsanstalt nach Linz, wo er während der Ableistung seines Kriegsdiensts 1914–18 als Reserveoffizier zum Assistenten ernannt wurde. Ab 1918 studierte D. Jus an der Universität Wien; 1921 Dr. iur. Bereits ab 1919 wirkte er als Assistent an der Samen-Kontroll-Station in Wien, wurde aber nach wie vor im Personalstand der Landwirtschaftlich-chemischen Versuchsanstalt geführt und daher dort 1919 zum Adjunkten, 1921 zum Inspektor und 1924 zum Oberinspektor ernannt. In Wien wurde D. dem Komitee zur staatlichen Förderung der Kultur von Arzneipflanzen zugeteilt und arbeitete in dieser Eigenschaft auch am Pharmakognostischen Institut der Universität. Ab 1925 war er zudem an der Landwirtschaftlich-chemischen Versuchsanstalt tätig, zunächst an der Abteilung Pflanzen und Tierernährung, 1929–38 als Analytiker an der technischen Abteilung. 1935 habilitierte sich D. als Privatdozent für pharmazeutische Chemie an der Universität Wien und führte ab 1937 die Abteilung für Arzneipflanzenanbau und Drogenuntersuchung der Landwirtschaftlich-chemischen Bundesversuchsanstalt. Als Mitglied der NSDAP wurde er 1939 Obmann der Landesgruppe Donauland des Reichsverbands der Heil- und Gewürzpflanzenbauer und daneben zum Sachbearbeiter der Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung zunächst für den Gau Wien, dann auch für die Gaue Nieder- und Oberdonau bestellt. Als 1941 die Landwirtschaftlich-chemische Bundesversuchsanstalt in Wien in eine Versuchsanstalt für Landwirtschaft umstrukturiert und die Abteilung für Arzneipflanzenanbau und Drogenuntersuchung sowie der Versuchsgarten in Korneuburg in das Pharmakognostische Institut der Universität Wien eingegliedert wurden, übernahm D. dort die Leitung der Abteilung für Arzneipflanzenanbau. 1942 zum außerplanmäßigen Professor ernannt, erfolgte die Änderung seiner Habilitation auf das Fach Pharmakognosie. D. erforschte v. a. den Einfluss verschiedener Düngungen sowie Standweiten auf Nutz- und Arzneipflanzen. Diese Düngungsversuche, u. a. mit Brassica nigra (Schwarzsenf), Saponaria (Seifenkraut), Digitalis (Fingerhut), Coriandrum sativum (Echt-Koriander) und Matricaria chamomilla (Echt-Kamille), führte er gemeinsam mit Fachkollegen von der Hochschule für Bodenkultur durch. Ebenso untersuchte er verschiedene Düngemittel wie die Talbotschlacke und den Höhlendünger aus der Drachenhöhle bei Mixnitz und befasste sich mit deren Verwertbarkeit. Darüber hinaus galt sein Interesse Pflanzenschutzmitteln. Ab den späten 1920er-Jahren widmete er sich in seinen Untersuchungen entsprechend seiner pharmazeutischen Tätigkeit mehr der Isolierung und Prüfung von Pflanzeninhaltsstoffen. So entstanden u. a. Arbeiten über die hämolytische Wirksamkeit ätherischer Öle oder die Beurteilung von arzneilich verwendeten Gerbstoffen. Zur Bestimmung des Gehalts an ätherischen Ölen in aromatischen Drogen arbeitete er eine eigene Methode aus. In diesem Zusammenhang sollen auch seine Versuche über die Anbaumöglichkeiten von Tabakpflanzen in Österreich erwähnt werden. Gemeinsam mit Ludwig Kofler und Adolf Mayrhofer befasste er sich mit methodischen Fragen betreffend die Forschungsaufgaben der Pharmazie. Seine Publikationen erschienen v. a. in Fachzeitschriften wie der „Wiener Landwirtschaftlichen Zeitung“, im „Archiv der Pharmazie“ und in den „Monatsheften für Chemie und verwandte Teile anderer Wissenschaften“. Erwähnenswert ist die gemeinsam mit →Wolfgang Himmelbaur herausgegebene „Denkschrift zum 25jährigen Bestand des Komitees zur staatlichen Förderung der Kultur von Arzneipflanzen in Österreich“, 1935. Ebenso schrieb D. 1928 und 1929 Beiträge für das „Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden“.

Weitere W.: s. Poggendorff; Cermak.
L.: Poggendorff 6–7 (mit W.); Stafleu; E. Cermak, Beiträge zur Geschichte des Lehrkörpers der philosophischen Fakultät der Universität Wien zwischen 1938 und 1945, phil. Diss. Wien, 1980, S. 37ff. (mit W.); UA, Wien.
(D. Angetter)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
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