Auspitz, (Carl) Heinrich (1835–1886), Dermatologe

Auspitz (Carl) Heinrich, Dermatologe. Geb. Nikolsburg, Mähren (Mikulov, CZ), 2. 9. 1835; gest. Wien, 23. 5. 1886; mos. Sohn des Wundarztes Moritz Auspitz(er) (geb. Nikolsburg, 6. 5. 1803; gest. Wien, 2. 3. 1880), Onkel von →Christine Touaillon, Bruder des Offiziers und Fachschriftstellers Leopold Auspitz (geb. Nikolsburg, 5. 12. 1838; gest. Wien, 23. 2. 1907); ab 1868 verheiratet mit →Auguste Auspitz-Kolár. – Nach dem Besuch des Akademischen Gymnasiums in Wien und Ablegung der Matura 1853 studierte A. Medizin an der Universität Wien, u. a. bei →Ferdinand von Hebra, →Josef von Skoda, →Ernst Wilhelm von Brücke und dem Anatomen →Karl Freiherr von Rokitansky; 1858 Dr. med., 1859 Mag. obstet. und Dr. chir. A. vertiefte zunächst seine Ausbildung an verschiedenen Abteilungen im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, wo er sich bereits für Histologie interessierte, ehe er 1862 als Assistent in die Klinik Hebra eintrat. 1865 habilitierte er sich für Dermatologie und Syphilidologie an der Universität Wien. 1871–72 tat er sich bei der in Wien grassierenden Pockenepidemie als Befürworter der Pockenimpfung besonders hervor. Federführend gründete er 1872 mit elf Kollegen die Allgemeine Poliklinik in Wien und übernahm die Leitung der dermato-syphilidologischen Abteilung sowie des gesamten Spitals. 1875 ao. Professor, wurde er 1884 zum Primararzt der II. Abteilung für Syphilis im Allgemeinen Krankenhaus ernannt. Daneben betrieb er eine angesehene Privatpraxis. A. gilt als einer der wichtigsten Vertreter der frühen Dermatopathologie in Wien. Seine Studie „Ueber das Verhältniss der Oberhaut zur Papillarschicht“ (in: Archiv für Dermatologie und Syphilis 2, 1870) gilt als die erste Analyse des Zusammenspiels von Epidermis und Corium (Lederhaut). In seinem theoretisch ausgeführten, auf mikroskopische Befunde gestützten „System der Hautkrankheiten“ (1881) beschrieb er erstmalig das Phänomen der Akantholyse. Dieses Werk erschien 1887 übersetzt von Adrien Doyon auch als „Pathologie & thérapeutique générales des maladies de la peau“. 1876 propagierte A. erstmals die Curettage, eine Methode zur Entfernung von oberflächlichen Hautveränderungen mittels eines scharfen Löffels zum Beispiel bei Lupusflächen, sowie die Chemochirurgie in der Therapie von Hautkrankheiten. In die Histopathologie führte er den Begriff Parakeratose ein. Bekanntheit erlangte das nach ihm benannte A.-Phänomen, ein diagnostisches Merkmal zur Erkennung von Psoriasis vulgaris, das allerdings bereits früher von Hebra und anderen beschrieben worden war. Gemeinsam mit →Philipp Josef Pick gründete er 1869 das „Archiv für Dermatologie und Syphilis“, eine der ersten einschlägigen deutschsprachigen Fachzeitschriften, das sich rasch einen internationalen Ruf erwarb. 1874 erhielt A. das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, 1883 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. 1882 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt. Seit 2005 vergibt die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie jährlich den H. A. Preis.

Weitere W. (s. auch Schiff): Die Lehren vom syphilitischen Contagium und ihre thatsächliche Begründung, 1866; Die Seife und ihre Wirkung auf die gesunde und kranke Haut, 1867; Handbuch der Hautkrankheiten, 2 Bde., 1883–84; Zur Therapie der Hautkrankheiten, in: WMW 33, 1883; Wo stehen wir heute gegenüber der Syphilis?, ebd. 34, 1884.
L.: NFP, 24. 5. 1886 (Abendblatt); ADB; Lesky, s. Reg.; J. Schnitzler, in: Wiener Medizinische Presse 27, 1886, S. 705ff.; E. Schiff, ebd., S. 752ff. (mit W.); M. Kaposi, in: WMW 36, 1886, Sp. 797f.; H. Finger, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 23, 1886, S. 404; K. Holubar, in: The American Journal of Dermatopathology 8, 1986, S. 83ff.; E. Deimer, Chronik der Allgemeinen Poliklinik in Wien, 1989, S. 187ff. (mit Bild); K. H. Tragl, Chronik der Wiener Krankenanstalten, 2007, s. Reg.; K. Holubar, in: Acta medico-historica Adriatica 5, 2007, S. 113ff. (mit Bild); Geschichte der deutschsprachigen Dermatologie / History of German Language Dermatology, ed. A. Scholz u. a., 2009, s. Reg.; S. Shareef u. a., in: Indian Journal of Dermatology, Venereology and Leprology 83, 2017, S. 512; UA, Wien.
(D. Angetter)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 37
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