Dont, Jakob (1815–1888), Violinist, Komponist und Pädagoge

Dont Jakob, Violinist, Komponist und Pädagoge. Geb. Wien, 2. 3. 1815; gest. ebd., 17. 11. 1888; röm.-kath. Achtes Kind von Joseph Valentin Dont (s. u.) und Theresia Dont, geb. Pitschmann (geb. Wien, 9. 2. 1776; gest. ebd., 27. 12. 1847), Vater von Jacob Dont (s. u.); in 1. Ehe mit Elisabeth Dont, geb. Mühlbauer (gest. Wien, 28. 4. 1863), in 2. Ehe (ab 1864) mit Maria (Marie) Dont, geb. Götzinger (1846–1933), verheiratet. – D. erhielt seinen ersten Violinunterricht von seinem Vater. Bereits 1826 begann er am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien sein Studium bei →Joseph Böhm und gewann schon nach einem Jahr den ersten Preis, die Künstlermedaille. Zu seinen Lehrern gehörte auch →Georg Hellmesberger d. Ä. Mit 13 Jahren war er bereits Substitut im Orchester des Hofburgtheaters, drei Jahre später wurde er fest engagiert. 1834 gewann er das Probespiel der Wiener Hofkapelle und wurde als unbesoldeter Expektant aufgenommen, doch erst 1841 zum wirklichen Hofkapellenmitglied mit Gehalt ernannt. Seine erfolgreiche Laufbahn als Solist beendete er früh. 1850–63 vertrat er jedes Jahr für mehrere Monate im Hofburgtheaterorchester den Kammervirtuosen →Joseph Mayseder, wurde aber selbst nie zum Solospieler ernannt, obgleich er 1863 für seine Leistungen ein belobigendes Dekret des Obersthofmeisteramts erhielt. 1856 wurde er Vizedirektor des Hofburgtheaterorchesters. D. war aber auch als Violinpädagoge weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Er wurde 1852 als Professor an die neu gegründete Akademie für Tonkunst berufen, die jedoch nur sehr kurz bestand. Ab 1853 war D. als Professor am Pädagogischen Institut/Pädagogium St. Anna (Verein zur Beförderung echter Kirchenmusik) in Wien tätig. Ab 1872 gehörte er für einige Jahre der Prüfungskommission für das Lehramt der Musik an Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten an. Im Sommer 1872 bot ihm das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien eine Lehrstelle für die Violinvorbildungsstufe an, die D. im Herbst antrat. Er beendete seine Tätigkeit jedoch bereits mit Jahresende, da ihm auf dem Titelblatt eines seiner Lehrwerke der Aufdruck „eingeführt am Wiener Conservatorium“ zuerst mündlich genehmigt, dann aber untersagt wurde und er bis zum Jahreswechsel keinen gültigen Vertrag bekommen hatte. Zudem war ihm die angesuchte Dispens für die Mitwirkung bei den Gesellschaftskonzerten verweigert worden. 1877 hielt er auf Einladung des Cäcilienvereins bei einer Versammlung von Chorregenten und Lehrern aus ganz Österreich Vorträge über das Violinspiel. D. schrieb zahlreiche Kammermusik- und Vokalwerke, Theatermusiken für das Hofburgtheater und gab die Violinkonzerte von Louis Spohr und →Ludwig van Beethoven heraus. Berühmt wurde er aber für seinen „Gradus ad Parnassum“, zu dem eine „Sammlung von fortschreitenden Übungsstücken für Violine teils mit und teils ohne Begleitung“, Tonleitern, „24 Vorübungen zu R. Kreutzer’s und P. Rode’s Etüden“, „Études et Caprices“, „6 Studien“ und eine Sammlung mehrstimmiger Musikstücke gehören. Auch seine „Theoretischen und praktischen Beiträge zur Ergänzung der Violinschulen und zur Erleichterung des Unterrichts“ wurden bald zum Standardwerk der Violinpädagogik. Viele seiner begabten, aber mittellosen Privatschüler unterrichtete D. unentgeltlich, wie zum Beispiel →Leopold Auer. Zu seinen Schülern zählten Karol Gregorowitsch, Carl Nowotny, Max Adler, →Dominik Ertl, →Philipp Fahrbach d. Ä., →Alfred Finger, dessen spätere Frau Ella Bailetti, →Jacob Fischer und viele andere. D. pflegte freundschaftlichen Kontakt mit zahlreichen Violinvirtuosen seiner Zeit, so traf ihn Henryk Wieniawski auf jedem seiner Wienbesuche. D.s Vater, der Cellist und Komponist Joseph Valentin Dont (geb. Niedergeorgenthal, Böhmen / Dolní Jiřetín, CZ, 15. 10. 1776; gest. Wien, 14. 12. 1833), Sohn von Georg Wenzel Dont, entstammte einer wohlhabenden Strumpfwirkerfamilie. In Prag besuchte er die Schule und studierte Violoncello bei →Bernard Václav Šťastný. 1804 übersiedelte er nach Wien, wo er Cellist im Quartett des Grafen Breuner war, das aber nach sechs Monaten wieder aufgelöst wurde. Danach erhielt er eine Anstellung als Cellist im Hofoperntheater (Kärntnertortheater) und wurde 1828 an das Hofburgtheater versetzt. Joseph Valentin D. gehörte zum Bekanntenkreis Beethovens, bei dem er den Maler August von Kloeber einführte, der Beethoven 1818 porträtierte. Er verfasste sowohl eine eigene Violin- wie auch Violoncelloschule und komponierte zahlreiche Kammermusik- und Solowerke. D.s Sohn Dr. iur. Jacob Dont, Ps. Dr. J. D. Sonuscumt, Doridius (geb. Wien, 29. 12. 1864; gest. ebd., 5. 2. 1946), war Beamter, (Fach-)Schriftsteller und Komponist. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien 1884–88 (1889 Dr. iur.) erhielt er eine Anstellung bei der Gemeinde Wien. Er wurde Magistrats-Oberkommissär und Chefredakteur der „Blätter für das Armenwesen“ (1902–03) und war wesentlich an der Durchführung des Baus des Versorgungsheims Lainz mitbeteiligt. Sein Porträt ist auf einem Schlussstein eines Turmfensters der Versorgungsheimkirche verewigt, als Glockenspruch wurde eines seiner Gedichte ausgewählt. Im Auftrag der Gemeinde Wien verfasste er eine Gedenkschrift zur Eröffnung des Versorgungsheims (1904) und ein Werk über den heraldischen Schmuck von dessen Kirche. Danach wurde er Leiter des administrativen Referats des Baus des Kaiser-Jubiläums-Spitals, der 1907 beschlossen und 1913 fertiggestellt wurde. Als Obermagistratsrat schrieb er 1917 den Bericht der Zentralstelle für die Angehörigen der Einberufenen und für die durch den Krieg in Not Geratenen in Wien und Niederösterreich. Nach dem 1. Weltkrieg war er Mitglied des Verwaltungsausschusses und Generaldirektor des Zentralbureaus des Argentinisch-Österreichischen Wohlfahrtswerkes, über dessen Entstehen und Wirken er ebenfalls einen Bericht verfasste (1924). Er erhielt 1931 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Jacob D. war Autor zahlreicher, u. a. im Sammelband „Vivat Academia!“ (1913) erschienener Gedichte und einiger Bühnenwerke. Hans Wagner-Schönkirch, →Johann Wilhelm Ganglberger und andere vertonten seine Liedtexte, für manche seiner Werke komponierte er selbst die Musik, wie für „Artus und Ginevra“ und „Radegunde“ (beide o. J.).

Weitere W.: s. Grove; MGG II; Pfriemer, Dezember 1933. – Jacob D.: s. Kosch. – Teilnachlässe von Jakob und Joseph Valentin D.: Wienbibliothek im Rathaus, Wien.
L.: Die Lyra, 1. 12. 1888; FB, 3. 3. 1915 (Abendausg.); NWT, 24. 6. 1938; Czeike; Grove, 2001 (mit W.); MGG II (mit W.); Wurzbach; A. Moser, Geschichte des Violinspiels, 1923, S. 520f.; E. Pfriemer, in: Österreichische Musiker-Zeitung 41, November 1933, S. 9f. (mit Bild), Dezember 1933, S. 8f. (mit W.); R. Hopfner, in: O. Biba u. a., „Der Himmel hängt voller Geigen“. Die Violine in Biedermeier und Romantik, ed. S. Haag, Wien 2011, S. 38f. (Kat., mit Bild); O. Biba, ebd., S. 68; Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (mit Bild), HHStA, beide Wien. – Joseph Valentin D.: WZ, 30. 12. 1833; Mendel-Reissmann; Th. Frimmel, Beethoven-Handbuch 1, 1926, S. 114; E. Pfriemer, in: Österreichische Musiker-Zeitung 41, November 1933, S. 9; Pfarre Dolní Jiřetín, CZ. – Jacob D.: WZ, 4. 11. 1931; Kosch (mit W.); Kosel 1; UA, Wienbibliothek im Rathaus (mit Bild), beide Wien.
(R. Müller)   
Zuletzt aktualisiert: 25.11.2016  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 5 (25.11.2016)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 3, 1956), S. 195
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>